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Karstadt Heim- und Technikhaus schließt am Sonnabend

Aus zwei Kaufhäusern wird eins: Am Sonnabend schließt in Hannover das Karstadt Heim- und Technikhaus seine Türen. In der Georgstraße wurde deshalb schon kräftig umgebaut.

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Schluss, Ende, aus: Das Karstadt Heim- und Technikhaus in Hannover schließt seine Türen.

Schluss, Ende, aus: Das Karstadt Heim- und Technikhaus in Hannover schließt seine Türen.

© Michael Thomas

Vielen Dank. Auf Wiedersehen“ steht in Höhe der Türgriffe auf den Glastüren des Karstadt Heim- und Technikhauses. Auf den roten Plakaten, mit denen jetzt die Schaufenster des Gebäudes in der Großen Packhofstraße verklebt sind, finden sich ähnliche Worte. „Karstadt Living sagt auf Wiedersehen“, heißt es da, wobei „Living“ der firmeneigene Begriff für das Heim- und Technikangebot ist. Doch die Bedeutung des „Auf Wiedersehen“ ist jeweils eine völlig andere: Die Worte an den Glastüren haben den Kunden stets ein munteres „Bis zum nächsten Einkauf“ signalisiert, auf den Schaufensterplakaten meint „Auf Wiedersehen“: Schluss, Ende, Aus.

Das Heim- und Technikhaus wird geschlossen, am Sonnabend ist der letzte Tag für das seit 1980 von Karstadt betriebene Warenhaus, das im Zuge der Insolvenz des Mutterkonzerns auf die Streichliste kam. 84 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, im Januar hatten sie die Kündigungen erhalten. Tapfer bringt eine Handvoll Verkäufer dieser Tage noch das Wenige an die Kunden, das vom einstigen Angebot auf fünf Etagen geblieben ist. Verkauf ist seit geraumer Zeit nur noch im Erdgeschoss, die Rolltreppen sind gesperrt. Es herrscht eine Mischung aus Flohmarkt- und Basaratmosphäre, Prozente zwischen 30 und 70 Prozent versprechen die Werbeschildern. Die Reste der Stoffabteilung, die nicht mit ins Karstadt-Haupthaus in der Georgstraße umzieht, und Ständer mit Handtaschen dominieren das Bild. Dazwischen gibt es in großen Metallkörben Kabel, Steckdosen und CDs, Relikte der ebenfalls aufgegebenen Multi- mediaabteilung. Die Kunden drängen sich am Donnerstag auf der Jagd nach letzten Schnäppchen.

Es ist eine Szenerie, um „Magenschmerzen zu bekommen“, wenn man weiß, was einmal war. So drückt es Hannovers Karstadt-Chef Peter Krause aus, der dieses Gefühl nach eigenem Bekunden schon seit Ende Januar verspürt, als die einzelnen Verkaufsetagen nach und nach dicht machten. „Wenn das sogar mir nach erst einem Jahr in Hannover so geht – wie mag es da bei den langjährigen Mitarbeitern sein.“ Betriebsratschef Rolf Stenzel ist einer von ihnen. „Mich schmerzt vor allem die Aufgabe der Stoffabteilung“, sagt er. Mit Stoffen und Gardinen hatte der gelernte Dekorateur einst sein „Prüfungsschaufenster“ erstellt. Dennoch: „Alles hat seine Zeit, es ruckelt sich so langsam zurecht“, sagt Stenzel über die Stimmung in der Belegschaft. Irgendwann müsse der Blick trotz Trauer und Wut nach vorne gehen – da sind sich Geschäftsführer und Betriebsratschef einig.

Im Haupthaus in der Georgstraße herrscht derzeit Aufbruchstimmung. Dort musste in den vergangenen Wochen das Kunststück vollbracht werden, auf 16 000 Quadratmetern aus zwei Kaufhäusern eines zu machen: Haushaltswaren und Elektrogeräte, Betten und Heimtextilien, Schreibwaren und Süßigkeiten – das alles wurde umgelagert aus der Großen Packhofstraße. 11 000 Quadratmeter gehen durch die Schließung dort verloren. „Wir haben jetzt 43 Prozent weniger Fläche“, sagt Krause. Bei der Neuaufteilung in der Georgstraße seien daher Kompromisse unvermeidlich gewesen – etwa die Süßwarenabteilung, die auf Laufkundschaft setzt, im Untergeschoss unterzubringen. Die Fläche dort wurde wie die vierte Etage komplett mit dem Warenangebot aus dem Technikhaus neu bestückt, der Schnäppchenmarkt dafür geschlossen, andere Abteilungen umsortiert. „Jetzt müssen wir unsere Kunden an das neue Angebot in der Georgstraße gewöhnen“, sagt Krause. Mitte nächster Woche soll das mit Aktionen und Sonderangeboten beginnen.

Am 31. März wird das Technikhaus dann „besenrein“ an den neuen Eigentümer, das Unternehmen Sahle aus Greven in Nordrhein-Westfalen, übergeben. Neue Mieter sind derzeit aber noch nicht gefunden. Auch das nur noch für einen Restpostenverkauf im Erd- und Untergeschoss genutzte ehemalige Bettenhaus in der Schillerstraße wird zum 31. März geschlossen. Das Sporthaus in der Großen Packhofstraße besteht weiter. In all der Abschiedsstimmung kann Stenzel aber auch positive Neuigkeiten verkünden: Fünf der gekündigten Kollegen hätten bereits einen neuen Job gefunden, bei zwölf weiteren sehe es gut aus mit einer neuen Anstellung. Zudem sei davon auszugehen, dass die laut Insolvenzplan vorgesehene Transfergesellschaft komme, die mindestens fünf Monate Weiterbeschäftigung bei reduziertem Gehalt sichere. Gegen die Kündigung von vier Mitarbeiterinnen, die schwanger oder in Mutterschutz sind, habe die Gewerbeaufsicht Einspruch eingelegt, berichtet Stenzel. Andere Kollegen versuchen, sich selbst zu helfen: Zehn Klagen gegen die Kündigung sind nach Auskunft von Direktor Kilian Wucherpfenning beim Arbeitsgericht eingegangen. Der Gütetermin gestern hat kein Ergebnis gebracht, verhandelt wird nun am 27. April und 11. Mai.

Stefanie Kaune


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