Phet und Luca experimentieren im evangelischen Kindergarten Hainholz.
Die Konsequenz: Die betroffenen Eltern warten ab und schicken das Kind erst mit vier oder fünf Jahren in den Kindergarten. „Wir wissen aber, dass nur wenige Kinder es innerhalb eines Jahres schaffen, sprachlich fit für die Schule zu werden“, sagt Renate Dreßler, Leiterin der Evangelisch-lutherischen Kita der St. Marien-Gemeinde Hainholz. Von den Kindern, die Dreßler diesen August aufgenommen hat, spricht die Hälfte bisher gar kein Deutsch oder nur wenige Brocken.
Ein Platz in einer entfernteren Kita in einem anderen Stadtteil sei für viele Eltern keine Alternative, sagt Kita-Leiterin Dreßler. „Die meisten können sich nicht einfach auf den Weg machen, sie haben meist mehrere Kinder und könnten auch das Fahrtgeld nicht unbedingt aufbringen.“ Insgesamt gibt es drei Kindergärten in Hainholz. In der evangelischen Kita blieben dieses Mal 35 Kinder, die im August bereits drei Jahre alt waren, ohne Kindergartenplatz. Dreßler weiß bereits, dass nächstes Jahr 35 Plätze frei werden. Inklusive der unversorgten Kinder aus diesem Jahr hat sie bereits jetzt 99 Anwärter auf der Warteliste für 2011. In der städtischen Kita Voltmerstraße sollen sogar 140 Kinder auf einen Platz warten. In den vergangenen Jahren haben die drei Kita-Leiterinnen meist ihre Wartelisten abgeglichen. „Es gab nur wenige Überschneidungen“, sagt Dreßler.
„Nur wenige Kinder bekommen schon mit drei Jahren einen Kindergartenplatz“, sagt auch Marianne Müller, Leiterin der städtischen Kita Voltmerstraße. Sie hat dieses Jahr ein Drittel der 18 freien Plätze an Fünfjährige vergeben. Fast alle Kinder ihrer Kita kommen aus Einwandererfamilien – und aus dem direkten Umfeld.
Nach dem Kindertagesstättenbericht 2009 stellt sich die Situation in Hainholz ganz anders da. Anfang 2009 gab es demnach 222 drei- bis fünfjährige Kinder, und 218 belegte Kindergartenplätze. Die Prognose für die Folgejahre sieht ähnlich aus. „Uns ist nicht bekannt, dass die Kinder dort spät in den Kindergarten kommen“, sagt eine Stadtsprecherin. Erklärlich sei das nur, wenn Kinder aus anderen Stadtteilen Plätze in Hainholz belegten.
Doch die Statistik der Stadt stimmt offenbar nicht mit der Realität überein. „Wir reden seit Jahren mit der Stadt darüber. Wir haben hier oft weinende Eltern in Not“, sagt Dreßler. Ihre Kita nimmt tatsächlich auch Kinder aus einem anderen Stadtteil auf: Sie liegt nur zwei Straßenzüge von Vahrenwald entfernt. „Wir müssen die Kinder nehmen, denn ein Kindergarten soll ja eine wohnortnahe Betreuung bieten.“ Die Praxis der Stadt, die einzelnen Stadtteile isoliert zu betrachten, sei nicht tauglich.
Bärbel Hilbig