30 Jahre lang hatte der Mann nach eigenen Angaben gestohlenes Diebesgut erfolgreich für die Polizei wiederbeschafft. Sein letzter Coup war besonders spektakulär: Er fädelte den Verkauf einer vom Rittergut Bennigsen bei Hannover gestohlenen wertvollen Stradivari-Geige ein. Das für 1,5 Millionen Euro versicherte Instrument wurde sichergestellt, die Täter wurden festgenommen. Von der Versicherung erhielt er dafür 160.000 Euro. Am Donnerstag scheiterte der Mann mit seiner Forderung, von der Polizei zusätzlich 150.000 Euro für seine Dienste zu bekommen. Das Landgericht Hannover wies seine Klage ab.
„Einen Anspruch auf Belohnung gibt es nur dann, wenn eine konkrete Absprache getroffen wurde. Dies war hier nicht der Fall“, begründete ein Gerichtssprecher die Entscheidung der 3. Zivilkammer. Weder die Polizei noch der Kläger waren am Donnerstag zu der Verkündung erschienen.
Der Mann, der weder seinen Namen noch sein Alter nennen will, hatte sich auf eine Tarifordnung zur Bezahlung von V-Leuten berufen. Danach hätten ihm fünf Prozent des Wertes der Geige zugestanden. „Ich habe nie eine Belohnung gefordert, aber ich bin hinterher immer entlohnt worden“, hatte der Mann zum Prozessauftakt gesagt. Die Richtlinie für V-Männer regele nur die Höhe der Belohnung, betonte der Gerichtssprecher. Da es aber keine Vereinbarung zwischen der Polizei und dem Kontaktmann gab, stelle sich diese Frage nicht.
„Kein V-Mann, kein Geld.“ Auf diese kurze Formel brachte Hannovers Polizeisprecher Stefan Wittke am Donnerstag das Urteil. Der Mann sei von Anfang an Zeuge in dem Fall gewesen. „Er hat immer fälschlich behauptet, ein V-Mann zu sein“, betonte Wittke. Um als solcher bezeichnet zu werden, hätte eine Vereinbarung mit der Polizei getroffen werden müssen. Diese habe es aber nie gegeben.
Beim dem Raubzug waren im Oktober 2008 aus dem Rittergut neben der Stradivari ein Ölgemälde, alte Familienorden, Schmuck und eine weitere Geige gestohlen worden. Monate später boten sich die Ermittler über das Internet als Ansprechpartner an - für alle, denen das Instrument möglicherweise zum Kauf angeboten würde. Der jetzige Kläger meldete sich und bot seine Hilfe an. Die Ermittler bereiteten ein Scheingeschäft vor, insgesamt wurden 500.000 Euro für die gesamte Beute geboten. Bei der Übergabe griffen die Beamten zu, als zwei Männer in Hannover das Diebesgut in einen Transporter verstauen wollten.
Der Anwalt des Klägers wollte sich am Donnerstag nicht zu der Entscheidung äußern. „Mein Mandant wird heute noch bedroht, er ist ein hohes Risiko eingegangen“, hatte der Anwalt am ersten Prozesstag gesagt.
Schlossherr Roderic von Bennigsen ist Cellist und Dirigent. Seine Ehefrau hatte die Geige aus dem Jahr 1721 gespielt. Die Instrumente des italienischen Geigenbauers Antonio Giacomo Stradivari haben einen unvergleichlichen Klang.
dpa
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