Navigation:
AboPlus Anzeigen- und Abo-Service
„Wer wird Millionär?“

Millionengewinner Ralf Schnoor: „In einen Ferrari passt doch nichts rein“

Von Stefanie Kaune

Der Lindener Wirt Ralf Schnoor bleibt nach seinem Millionengewinn am Freitagabend bei Günther Jauch so, wie ihn seine Mitarbeiter und Gäste mögen. Der 49-Jährige warb während der Sendung auf sympathische Weise für sein Café und seinen Stadtteil – und machte sich mit seiner lockeren, lustigen Art auch noch viele Fans vor den Fernsehbildschirmen.
„Wenn er nicht aufpasst, wird er Fernsehstar“: Seine Mitarbeiter Baback Gholami, Anke Schröfel, Sabine Findeisen (von links), halten große Stücke auf ihren Chef Ralf Schnoor (Mitte).

„Wenn er nicht aufpasst, wird er Fernsehstar“: Seine Mitarbeiter Baback Gholami, Anke Schröfel, Sabine Findeisen (von links), halten große Stücke auf ihren Chef Ralf Schnoor (Mitte).

© Uwe Dillenberg

Einfach ist es nicht, am Sonnabendvormittag in Linden-Mitte einen Parkplatz zu finden. Dann ist Markt, die Stellflächen sind durch die Händler belegt, und auch die Seitenstraßen sind voll. Der Fahrer des silbernen Astra Kombi, der an diesem Sonnabend gegen 11 Uhr versucht, einen Parkplatz in einer dieser Straßen zu ergattern, hat das Problem jede Woche aufs Neue. Aber er schafft es auch dieses Mal wieder irgendwie, sein Auto in der Nähe seines Arbeitsplatzes in der Egestorffstraße abzustellen. Der Standort seines Wagens ist wichtig für ihn, schließlich muss er Waren ausladen.

Dem Opel-Fahrer gehört das „Café K“ – das Lokal, das seit Freitagabend Millionen Menschen bundesweit ein Begriff sein dürfte. Da gewann Inhaber Ralf Schnoor als erster Kandidat bei Günther Jauchs RTL-Wissensquiz seit fast vier Jahren wieder die Million, warb auf sympathische Weise für sein Café und seinen Stadtteil – und machte sich mit seiner lockeren, lustigen Art auch noch viele Fans vor den Fernsehbildschirmen. Doch am Vormittag nach der Sendung wird schon wieder ausgeladen. Der 49-Jährige hatte es bei Jauch angekündigt, und er zeigt seinen 22 Mitarbeitern und den Gästen, dass er es ernst meint: Sein Leben soll weitergehen wie bisher. Und das heißt, Käsekuchen backen, die legendären hausgemachten Trüffel in Puderzucker wälzen und Sauerampfer-Liebstöckelsüppchen servieren. Auch das Ausdenken von Fragen für das Tablequiz, das er in seinem Lokal veranstaltet, gehört dazu. So war Schnoor für „Wer wird Millionär?“ gut im Training, die letzte Frage vor der Million hatte er sogar schon einmal selbst bei einem Quizabend gestellt.

„Es gibt nichts Schöneres, als morgens aufzustehen und einen Plan für den Tag zu haben – also zu arbeiten“, betont der gebürtige Lindener, der nach dem Abitur eine Ausbildung zum Konditor gemacht hatte. „Ich werde doch nicht im Bett liegen bleiben und überlegen: Gehe ich Austern oder Schampus schlürfen?“, sagt der Wirt, der nach seinem Gewinn sogleich angekündigt hatte, allen Mitarbeitern die Gehälter zu erhöhen. Und was wird aus dem Opel Astra, nicht unbedingt ein Traumwagen? „Der bleibt“, sagt Schnoor, fast etwas empört über die Frage. „Er hat mich seit zwölf Jahren nicht im Stich gelassen, gerade die Inspektion hinter sich und Winterreifen bekommen.“ In zwei Jahren, rund um den nächsten TÜV-Termin, könne man mal über ein neues Auto nachdenken. Luxusmarken scheiden aber aus: „In einen Ferrari oder Porsche passt doch nichts rein“, meint Schnoor grinsend.

Doch trotz allen Bemühens des neuen Millionärs um Normalität war es in seinem „Café K“, das er bereits seit 25 Jahren führt, am Wochenende natürlich nicht wie sonst. Die Medien von Zeitung bis Fernsehen geben sich am Sonnabend bis zum späten Nachmittag – „da musste Schluss sein, ich musste noch für ein Abendmenü mit 35 Personen einkaufen“ – die Klinke der Altbautür in die Hand. Ständig klingelt zudem das Telefon, Schnoors Mitarbeiter schreiben Rückruflisten. Als die Redaktion der ZDF-Talkshow von Markus Lanz dran ist, verweist Schnoor zunächst pflichtbewusst auf die Bedingungen, die der Sender RTL an ihn stellt, und als das geklärt ist, auf das anstehende Weihnachtsgeschäft in seinem Lokal, das viel Arbeit bereite. Doch am Ende wird man handelseinig.

Plötzlich platzt seine Ehefrau Sarah Atashfashan in den Trubel, ein Bündel Euro-Scheine in der Hand. „Ich will nur ein bisschen Geld wechseln“, sagt sie. Die Innendekorateurin hat direkt neben dem „Café K“ ein Geschäft – und auch sie will weiterarbeiten wie bisher. Ihr Mann hatte ihr sofort die Hälfte seines Gewinnes geschenkt. Eine Eigentums- statt einer Mietwohnung wollen sich die beiden nun leisten und endlich ihre Freundin Britta in Australien besuchen. Wenn beide Partner selbstständig seien, sei es nicht einfach, einen Urlaub zu planen, sagt Sarah Atashfashan. „Es wird bei uns nichts anders jetzt, aber vieles wird leichter.“

Immer wieder muss Schnoor an diesem Tag an den Tischen stehen bleiben und Glückwünsche seiner Gäste entgegennehmen. Auf Neider sei er noch nicht getroffen, betont er. „Wir haben uns so für Sie gefreut“, sagen Christa und Hans Dageförde. Das Rentnerpaar schüttelt ihm herzlich die Hand: „Sie haben das ganz toll gemacht.“ Susanne Falk, Anett Thieking und Torsten Deecken, früher alle in Hannover und heute in Düsseldorf, München und Stade zu Hause, freuen sich, für ihren Erinnerungstreff in ihrem früheren Schülercafé ausgerechnet diesen Sonnabend gewählt zu haben, wo es so viel Wirbel um den Wirt gibt. „Er soll hier bloß alles so lassen, wie es ist, und nichts schicker machen.“ Die Toiletten, da sind sich manche Gäste einig, würden aber eine Renovierung gut vertragen.

„Das wird er nun bestimmt machen, das haben wir ihm auch schon oft gesagt“, meint Mitarbeiterin Anke Schröfel lachend. So ist der Umgang zwischen Personal und Chef. Seine Leute schwärmen von ihm, er sei wie ein Freund. „Ralf hat uns auch schon ohne die Million mal den Lohn erhöht, wenn der Laden gut lief“, erzählt Baback Gholami. Mit seiner sanften Singsang-Stimme und der Ruhe, mit der er spricht, wirkt Schnoor in der Tat manchmal wie eine Mischung aus Sozialarbeiter und Märchenonkel – bereichert um eine gute Portion Humor. Er ist ein Mensch, den zu mögen nicht schwer fällt. Und er hat Kommunikationstalent. „Wenn er nicht aufpasst, wird er noch zum Fernsehstar“, sagt Mitarbeiterin Lana Fritzsche. Schnoor dagegen meint, dass all seine Eigenschaften auch bestens ins Berufsbild „Wirt“ passen.

Knapp 500 Meter die Straße Richtung Schwarzer Bär herunter freut sich ein anderer Angehöriger dieser Berufsgruppe mit dem Kollegen: Heiko Seeger, Inhaber des „Härtekrugs“. Er saß nur wenige Wochen zuvor bei Jauch im Quizstudio – und nahm 125.000 Euro mit nach Linden. Nun fehlt entlang dieser Strecke nur noch Michael Solms, Chef des „Gigs“ am Lindener Markt, in der Reihe der Quiz-Wirte. Er hat die Sendung am Freitag mit seinem Personal geschaut und für Schnoor gejubelt. Noch habe er nicht über eine Bewerbung für Jauch nachgedacht, sagt Solms. „Die Millionenfrage, wie die erste deutsche Briefmarke hieß, hätte ich aber auch beantwortet.“ Schon mal ein Anfang.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!

Meiste gelesen aus Hannover

Meist gesehene Videos

Facebook

Städtewetter
Tagestemperatur
°
Nachttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug


Top