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Größe entscheidend

Modernisierung des Busbahnhofs besser als Neubau

Von Andreas Schinkel

Der Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Raschplatz sei zu klein und der Stadt nicht angemessen, sagen Reisende und Busfahrer. Die Stadt will auf dem Parkplatz zwischen Gleisen und Rundestraße einen neuen bauen - dabei ist der alte ZOB ideal, nur muss er dringend erneuert werden.
Die Stadt will einen kleinen, feinen Busbahnhof neben dem alten ZOB errichten - unverständlich für viele Busfahrer.

Die Stadt will einen kleinen, feinen Busbahnhof neben dem alten ZOB errichten - unverständlich für viele Busfahrer.

© Martin Steiner

Hannover empfängt den Bus aus Berlin mit leichtem Nieselregen. Die Reisenden steigen aus, ziehen die Köpfe ein, stehen unschlüssig auf dem zugigen Haltesteig. Hinter ihnen dröhnt der Autoverkehr auf der Berliner Allee, steif wanken sie zu den rostig-grünen Tonnendächern, die wenigstens ein bisschen Schutz vor Wind und Wetter bieten. „Ich kenne fast alle großen Omnibusbahnhöfe in Deutschland“, sagt Busfahrer Hans Zenke. „Aber dieser hier ist für eine Stadt wie Hannover nicht angemessen.“

„Nicht angemessen“, das ist noch eine der freundlichsten Formulierungen, die Busfahrer und Reisende für den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Raschplatz übrig haben. Manche reden einfach vom „Dreckloch“ oder schlicht von einer „Katastrophe“. Allein die zentrale Lage gleich neben dem Bahnhof im Herzen der Stadt und die Größe des Areals, das den langen Reisebussen genügend Raum zum Rangieren bietet, gelten als Vorteile. „Eigentlich müsste der ZOB nur modernisiert und vor allem sauberer werden, dann geht das schon in Ordnung“, sagt Fahrer Hans-Wilhelm Stukenberg, der mit seinem Reisebus nach Bordeaux unterwegs ist. „Nicht zu vergessen eine Überdachung für die Reisenden“, sagt Fahrgast Andreas Schulz und zieht den Kopf ein. Der Regen perlt ihm auf die Nase.

Doch die Stadt will den Busbahnhof lieber heute als morgen verkaufen. Die Tonnendächer sollen abgerissen, das gesamte Gelände bebaut werden. Einen neuen Reisebusterminal will die Stadt dann auf dem Parkplatz zwischen Bahngleisen und Rundestraße errichten. Klein, aber fein soll dieser neue Busbahnhof werden, mit acht Parkbuchten für die Reisebusse, einem Kiosk, modernen Toiletten und einem Waschraum. Für die Dachkonstruktion, die den neuen Terminal elegant überspannen soll, will die Stadt sogar einen Architektenwettbewerb ausschreiben. Doch all diese Überlegungen stehen jetzt wieder unter Vorbehalt. Denn noch in diesem Jahr wird die Bundesregierung das sogenannte Personenbeförderungsgesetz novellieren und damit den Startschuss für eine Ausweitung des Fernbuslinienverkehrs geben. Busunternehmer reiben sich schon jetzt die Hände und glauben, dass gerade Hannover eine zentrale Rolle im neuen Streckennetz zukommt, ähnlich wie im Schienenverkehr.

„Schon jetzt wird es auf dem großen ZOB manchmal eng“, sagt Peter Gurlitt. Der Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens RegioBus muss es wissen, denn seit vielen Jahren hat er den Busbahnhof genau im Blick. „Servicestelle“ steht auf dem kleinen weißen Container am Rande des ZOBs, wo Gurlitt und seine Mitarbeiter Fahrkarten für die Umlandbusse verkaufen. „Wenn hier acht Reisebusse vorfahren und noch weitere dazukommen, müssen wir uns arrangieren“, sagt Gurlitt und fährt sich über sein Stoppelhaar. Dann dürfen die Reisebusse auch kurzzeitig auf den Parkplätzen der Regiobusse halten. Man helfe sich eben unter Kollegen, aber ein kleinerer Busterminal? Da kann der muntere Rheinländer nur den Kopf schütteln. Die wahren Probleme, um die sich die Stadt kümmern sollte, die liegen „janz woanders“, sagt er und deutet nach draußen.

Ein beißender Uringeruch umweht die Wartenden auf dem Haltesteig für die Regiobusse. Die Bodenfliesen starren vor Schmutz, auf den wenigen Bänken unter den rostenden Dächern haben es sich ein paar Zecher gemütlich gemacht. „Hier ist immer was zu gucken“, sagt einer und hebt seine Bierflasche. Seine Kumpanen nicken beifällig.

„Abends sitzen hier oft 30 Trinker und feiern Gelage“, sagt Gurlitt. Aber das sei noch nicht einmal das Schlimmste. Kein Verständnis habe er, wenn Fahrgäste angepöbelt werden oder die Betrunkenen völlig enthemmt neben den Wartenden gegen die Vitrine mit den Fahrplänen urinierten. „Dann rufe ich die Polizei“, sagt er. Doch die könne meist nichts tun. „Wir versuchen, das Problem zusammen mit der Neukonzeption des ZOBs zu lösen“, sagt Ordnungsdezernent Marc Hansmann. Keinesfalls wolle man aber die Obdachlosen durch die Stadt jagen.

„Abstoßend, dieser ganze Busbahnhof ist abstoßend“, sagt Erika Almstadt und klemmt die Handtasche fester unter den Arm. Glücklicherweise müsse sie hier nur selten auf ihren Bus warten. Wie es in der öffentlichen Toilette aussieht, die ein paar Schritte weiter unter dem ZOB verborgen ist, möchte sie sich gar nicht ausmalen.

Wer die verdreckten Stufen hinuntersteigt, traut seinen Augen und seiner Nase nicht. Die lose Rede von den Eingeweiden der Stadt bekommt eine ganz neue, geradezu wörtliche Bedeutung. Der Boden des kleinen unterirdischen Platzes, der zu den Toiletten führt, ist übersät mit Taubendreck, der Uringeruch erdrückend, in einer dunklen Ecke liegt reglos ein Mann. Links öffnet sich ein weiterer Raum ins Nichts, der mit Gittern abgesperrt ist. „Die Baustelle gibt es schon seit Jahren. Hier tut sich nichts“, sagt Toilettenfrau Angela Brederecke. Mit verschränkten Armen steht sie vor ihrem gekachelten Reich, das durchaus sauber erscheint.

„Manchmal, wenn schlechtes Wetter ist, feiern die Obdachlosen und Junkies hier eine Party“, sagt Brederecke. Die meisten seien freundlich, nur selten müsse sie die Polizei rufen.

Die meisten Busfahrer meiden die Toilette unter dem ZOB, sie gehen lieber zum Bahnhof. „Da kann ich dann auch mal einen Kaffee holen“, sagt Regiobusfahrer Peter de Graaf. Denn ein Kiosk oder ein Getränkeautomat fehlen auf dem Omnibusbahnhof. „Hier muss viel mehr für den Service getan werden“, meint de Graaf.

Währenddessen warten die Reisenden aus Berlin unter den Tonnendächern auf ihre Weiterfahrt nach Düsseldorf. Abwechselnd schauen sie auf die Uhr und auf ihren weit entfernt stehenden Bus, um abschätzen zu können, wann Fahrer Zenke den Motor anwirft. „Es ist ein Unding, dass es für die Fahrgäste keine Lautsprecherdurchsagen gibt“, meint Zenke und steckt sich die letzte Zigarette vor der Abfahrt an. Auch im Falle von Verspätungen, die durchaus vorkommen im Busreiseverkehr, sei das ein Gebot der Fairness gegenüber den Fahrgästen – insbesondere an einem so ungastlichen Ort wie dem hannoverschen ZOB. „Man kann doch seine Leute nicht im Regen stehen lassen“, sagt Zenke und dreht den Zündschlüssel.

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