Auch an der IGS Roderbruch tauchten die Schriften auf: Schuldirektor Bernd Steinkamp ist darüber gar nicht begeistert.
Neonazis haben in den vergangenen Tagen vor mehreren Schulen in Stadt und Umland Zeitschriften mit einschlägigem Inhalt verteilt. Unter dem Titel „Bock – das Sprachrohr der Gegenkultur“ verbreiten Angehörige der rechtsextremen Szene ihre Thesen und wollen damit offenbar gezielt Jugendliche ansprechen. Inzwischen befasst sich der Verfassungsschutz mit dem Fall.
„Wirkliche Freiheit ist zutiefst nationalistisch“ schreiben die Verfasser in der ausgesprochen professionell aufgemachten Zeitschrift, in der gegen einen „korrupten liberalen Staat“ und gegen Ausländerintegration Propaganda gemacht wird. Zuwanderer, Politiker, aber auch Lehrer („Psycho-Gesocks“) werden zum Teil auf üble Art und Weise beschimpft. Nach Angaben der Polizei sind die Zeitschriften bisher an fünf weiterführenden Schulen in Stadt und Umland aufgetaucht, unter anderem am Kurt-Schwitters-Gymnasium Misburg, an der IGS Roderbruch und an der KGS Hemmingen. Experten des Verfassungsschutzes prüfen derzeit den Inhalt der Publikation. Parolen wie „Ausländerintegration heißt bei uns Rückführung“ seien zwar eindeutig rechtsextrem, sagte Maren Brandenburger, Sprecherin des Verfassungsschutzes Niedersachsen. „Für eine strafrechtliche Verfolgung muss jedoch der Tatbestand der Volksverhetzung festgestellt werden.“
Einem Hinweis in der Zeitschrift zufolge zählen sich die Herausgeber zu der Gruppe „Besseres Hannover“, die seit einiger Zeit im Internet und mit Handzetteln für ihre Ziele und um Mitglieder wirbt. Nach eigenen Angaben ließen die Initiatoren 20.000 Exemplare der Zeitschrift drucken. Wie viele davon im Umlauf sind, ist nicht bekannt. Am Kurt-Schwitters-Gymnasium in Misburg verteilten am Dienstagmorgen zwei junge Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren die Hefte. Eine aufmerksame Schülerin verständigte Schulleiter Winfried Baßmann. „Als ich die Männer zur Rede stellen wollte, sind sie weggerannt“, sagte er. Auch vor der Tellkampfschule überreichten Unbekannte den Schülern die „Bock“-Ausgaben. Viele der Jugendlichen hätten das Blatt eingesteckt, die Verteiler hätten nicht wie Rechtsextreme gewirkt, berichtete eine 18-Jährige.
Das deckt sich mit Einschätzungen des Verfassungsschutzes, wonach sich Kleidung und Auftreten von Rechtsextremen stark verändert hatten. „Diese Entwicklung kann allgemein als ein Zeichen für die Anpassungsfähigkeit der Szene gewertet werden“, sagte Sprecherin Brandenburger. Bei der Gruppe „Besseres Hannover“ handele es sich um einen eher losen Personenzusammenschluss, dessen Mitglieder aus der Neonaziszene Hannovers stammten und teilweise Kontakte zur rechten Szene im Kreis Celle pflegten. Ein Bezug zur NPD lasse sich derzeit nicht erkennen, sagte Brandenburger. In der Zeitschrift hingegen verweisen die Herausgeber auf ein Postfach, das der NPD Hannover gehört. Ein Sprecher der Partei sagte, die Postfachnummer sei „zweckentfremdet“ worden.
Erst im Dezember hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer Anzeige gegen die Gruppe „Besseres Hannover“ gestellt. „Auf ihrer Internetseite präsentieren sie eindeutige ausländerfeindliche Botschaften.“ Die Gruppe sei „brandgefährlich“ und agiere hochprofessionell, sagt Toepffer. „Nach der erfolgreichen NPD-Aktion sind sie jetzt natürlich mutig geworden“, meint er. Die NPD hatte in Niedersachsen CDs mit rechtsextremem Liedgut an Schüler verteilt. Die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien sah keine Handhabe, das zu verbieten.
Vivien-Marie Drews, Stefan Fuhrer und Michael Karsch
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