Hannover. Das Bild mutet skurril an. In der Halle 22, dem Sportzentrum der ABF, wo sonst Fahrräder getestet und Fitnesstänze ausprobiert werden, kehrt auf der Hauptbühne Ruhe ein. Man achtet auf Atem, auf Haltung, auf die tiefe Stimme des Trainers. Die 200 Besucher haben ihre Hände ausgestreckt, die Handflächen zeigen nach oben, dann reckt man die Ellbogen gen Hallendecke. „Spüren Sie ihren Rhythmus“, sagt der Übungsleiter. „Spüren Sie in sich hinein.“ Die Besucher spüren bereitwillig mit.
Der Trainer ist nicht irgendwer. Es ist Schauspieler Ralf Bauer, der einst in der Kindersendung „Disney Club“ seine Karriere begann, um später in TV-Filmen und -Serien wie „Gegen den Wind“ mitzuspielen. Meist gab er dabei den Sunnyboy, der sich in eine komplizierte Liebesgeschichte verstrickt, um am Ende glücklich in die Kamera zu lächeln. Nun lächelt er in einer Messehalle – und sieht aus wie einer dieser Hippies, die man aus Bioladen-Broschüren kennt. Bauer trägt Stirnband, Kordelschmuck am Handgelenk und Trainingskleidung in Erdfarben. Er ist gekommen, um einen Yogakurs zu geben, es ist sein erster. Als Vorbereitung darauf trinkt er eine Tasse reines, heißes Wasser.
Das soll ein ehemaliger „Tatort“- und Theaterschauspieler sein? Die neue Rolle als Gesundheitsphilosoph ist für Bauer selbst gar nicht so neu. „Ich habe schon mit neun Jahren Judo gelernt und mich viel mit der Philosophie asiatischer Kampfsportarten beschäftigt“, sagt der 45-Jährige.
Nach der Ausbildung an der Hamburger Stage School und vielen erfolgreichen Fernsehproduktionen hat er vor ein paar Jahren einen Schnitt gemacht. „Ich dachte irgendwann, dass ich beim Rückblick auf mein Leben etwas Sinnvolles getan haben möchte.“ Er wolle Sinn stiften und wisse, dass das mit vielen TV-Formaten nicht funktioniert. „Darum sage ich mittlerweile viel ab.“ Diese Haltung bringt ihn im Gewerbe natürlich auch um Aufträge. „Aber wer sich nur auf das Fernsehen verlässt, wird verlassen.“ Darum spielt Bauer regelmäßig Theater, hat ein literarisches Programm entwickelt, verkauft Schmuck, moderiert – und hat nun schon 80 000 DVDs mit Yogaübungen verkauft.
Für Bauer war es vor allem die Beschäftigung mit dem Schicksal der Tibeter, die sein Leben veränderten. Immer wieder zitiert er den Dalai Lama: „Es geht im Leben nicht nur um die Bildung des Intellekts, sondern des Herzens.“ Darum engagiert er sich für Tibet und organisiert Benefizveranstaltungen.
Dass ihn manche Kollegen nun für esoterisch halten, stört ihn wenig. „Das Schicksal von Menschen interessiert mich mehr als das, was man über mich redet.“ Auf der ABF wirbt er nun für Entschleunigung und lässt die Menschen in sich hinein spüren. Dazu gibt er den Zuhörern im Lotussitz Alltagsweisheiten mit: „Viele Restaurantangestellte essen im eigenen Restaurant. Wenn die nicht gut aussehen, würde ich dort auch nicht essen.“ Das Publikum lauscht gebannt. Bauer sieht gut dabei aus.
Das Programm am Wochenende
Bis Sonntag läuft zur ABF die Urlaubsmesse ReiseZeit in Halle 2. Dabei stellen Tourismusanbieter Urlaubsländer wie Bulgarien und die Türkei vor, bei einem Busreiseforum werden Luxusreisebusse präsentiert und Niedersachsen wirbt für Urlaub direkt vor der Haustür. Die Firma Werner-Tours bietet jeweils um 16.30 Uhr eine Expo-2000-Erinnerungstour über das Gelände an. Die kostenlosen Busfahrkarten gibt’s am Stand D13. Am Sonnabend um 14 Uhr versteigert das Hauptzollamt zudem beschlagnahmte Funde wie Spirituosen, Fotoapparate und sogar einen BMW. Alle Objekte können ab 12 Uhr in der Halle 2 besichtigt werden. In der Aktiv-&-Fit-Halle 22 schreibt am Sonnabend Musiker und Dschungelcampgewinner Ross Antony um 14 Uhr Autogramme. Am gesamten Wochenende können die Wagen in der „Autotage“-Halle 24 bei einer Probefahrt getestet werden.
Jan Sedelies
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