Die Stadtwerke Hannover erhöhen die Strompreise im Oktober um 5,8 Prozent und halten die Gastarife konstant. Wer sich als Kunde länger an das Unternehmen bindet, bekommt einen Bonus von einmalig 50 oder 100 Euro. Enercity begründet die neue Tarifstruktur mit den zunehmenden Wettbewerb. „Damit verringern wir den Preisabstand zu den aggressivsten Konkurrenten“, sagte Vorstandschef Michael Feist am Donnerstag.
Für den Anstieg der Strompreise machen die Stadtwerke in erster Linie die Belastungen aus der Förderung erneuerbarer Energien verantwortlich. Während die Beschaffungskosten an der Leipziger Strombörse zuletzt gesunken seien, steige die auf alle Verbraucher verteilte Umlage für Windkraft- und Photovoltaikanlagen stetig an, rechnete Feist vor. Hinzu komme der Aufwand für die vom Gesetzgeber geforderte Trennung der Sparten Netz und Vertrieb – unter dem Strich führe das zu einem Aufschlag von netto 1,16 Cent je Kilowattstunde. Für einen Kunden mit einem Durchschnittsverbrauch von 2500 Kilowattstunden im Jahr bedeutet das Mehrkosten von 34,50 Euro.
Ein deutlich höherer Preisaufschlag kommt auf die Besitzer von Nachtspeicherheizungen zu. Hier wollen die Stadtwerke die Tarife netto um 2,04 Cent je Kilowattstunde erhöhen – das ist ein Plus von 19,8 Prozent. Feist begründete den Schritt mit einem „Nachholbedarf“. Bei Enercity hatte lange niemand bemerkt, dass die Tarife für die etwa 4000 Anlagen seit 2005 nicht angehoben worden waren. Das habe den Stadtwerken „substanzielle Verluste“ beschert, räumte Feist ein. Mit der jetzigen Erhöhung werde der Fehler jetzt korrigiert.
Nach Einschätzung der Stadtwerke werden die Strompreise weiter anziehen – und zwar in einer deutlich steileren Kurve als bisher. „Die Kosten für die Förderung der regenerativen Energien wachsen in eine Dimension, wo derzeit der Börsenpreis für Strom liegt“, sagte Feist. Mit anderen Worten: Die Beschaffung des Stroms kostet bald soviel wie der Öko-Aufschlag für den Ausbau der Erneuerbaren. Beim Bund der Energieverbraucher zieht man diesen Zusammenhang in Zweifel. „Die Bezugskosten an der Strombörse sind zuletzt stärker gesunken als die EEG-Umlage gestiegen ist“, sagte Verbandschef Aribert Peters.
In den vergangenen Wochen haben bereits mehrere Versorger Tariferhöhungen angekündigt. Der Preisindex des Verbraucherportals Verivox verzeichnet beim Strom in diesem Jahr bisher einen Anstieg um rund zwei Prozent. Zwischen Januar und Juli 2010 haben demnach 454 Versorger die Preise um durchschnittlich sechs Prozent erhöht – bei 129 Unternehmen sanken sie im Schnitt um fünf Prozent. Die Stadtwerke Hannover haben ihre Stromtarife seit April vergangenen Jahres konstant gehalten.
In der Politik stieß die jetzt geplante Anhebung auf Verständnis. Aufsichtsratschef Walter Meinhold sprach von einem „fairen Kompromiss“ zwischen unternehmerischer Notwendigkeit und Rücksicht auf die Kunden. Grünen-Fraktionschef Lothar Schlieckau nannte den Schritt „nachvollziehbar“ – andere Versorger verlangten deutliche höhere Aufschläge, sagte er. Die FDP sieht ihre Befürchtungen bestätigt, „dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien für die Verbraucher richtig teuer wird“, wie Fraktionschef Wilfried Engelke sagte.
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