Das filigrane Kleinod aus Asien, das vor dem Expo-Auftritt eigens von buddhistischen Mönchen geweiht worden war, lagerte neun Jahre lang auf dem Hof einer Laatzener Spedition. Das hat der mit kunstvollen Schnitzereien verzierte Holzbau nicht ohne Spuren überstanden. Auf den ersten Blick leuchtet die goldene Farbe der Ornamente zwar noch kräftig. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich doch deutliche Schadstellen. Gebhardt und seine Mitstreiter wollen diese schnellstmöglich beheben. Sie haben ein detailliertes Restaurierungskonzept ausgearbeitet, das Mitte Februar starten soll.
Mithilfe von Fachleuten aus Laatzen und Magdeburg sowie viel eigenem Arbeitseinsatz wird das fernöstliche Schmuckstück wieder aufgemöbelt. Der Termin steht: Bis zum Stichtag am 1. Juni, wenn die Expo-Feierlichkeiten beginnen, werde der Tempel fertig, versichert Gebhardt. Allerdings ist das Unterfangen nicht ganz preiswert, rund 5000 Euro hat der Verein veranschlagt. Und weil die Bewahrer des Expo-Erbes finanziell nicht allzu große Sprünge machen können, freuen sie sich über gleichgesinnte Spender.
Ein Goldstück der Expo kehrt zurück
Als der Anruf kam, wollte Heinz-Dieter Gebhardt die Nachricht zunächst nicht glauben. Am anderen Ende der Leitung war ein Laatzener Spediteur, der ihm ein ganz besonderes Stück aus seinem Lager anbot. Seit neun Jahren, erzählte der Unternehmer, bewahre er den hölzernen Tempel auf, der zu Expo-Zeiten vor dem thailändischen Pavillon stand. Ein rechtmäßiger Eigentümer habe sich bis dato nicht gemeldet, und nun brauche er dringend Platz. Ob Gebhardt sich nicht der Sache annehmen wolle, fragte der Mann.
Er wollte. Schließlich ist der 64-Jährige mehr als ein Expo-Fan. Er gehört zum kleinen Kreis derer, die sich unermüdlich um das Erbe der Weltausstellung kümmern: Gebhardt und die rund 30 aktiven Mitglieder des Vereins „Exposeeum“ verwahren im offiziellen Auftrag der früheren Expo-Gesellschaft mehr als 1000 Gastgeschenke der 153 Nationen und gut 3000 Filme mit Szenen aus dem Jahr 2000, die ihnen als Dauerleihgabe überlassen wurden. Und keiner von ihnen hätte damit gerechnet, dass fast ein Jahrzehnt später noch ein Original vom Weltausstellungsgelände auftaucht, das sich bisher nicht in ihrer Obhut befindet.
Also mobilisierte Gebhardt seine Vereinskollegen, um den 3,50 Meter hohen und vier Meter langen Thailand-Tempel für die Museumsbestände zu sichern – mit dem erklärten Ziel, das sichtlich lädierte asiatische Kleinod frisch restauriert zum Beginn der Expo-Jubiläumsfeierlichkeiten am 1. Juni 2010 zu präsentieren. Mit einem Tieflader holten die Mitglieder des „Exposeeums“ den in Unmengen von Plastikfolie verpackten Holzbau im vergangenen Sommer auf eigene Kosten von dem Speditionsgelände ab. „Das war schon ziemlich abenteuerlich, weil wir gerade so unter den Hängeampeln hindurchkamen“, berichtet Gebhardt. Doch die Fahrt von Laatzen bis zum Museum auf der Expo-Plaza überstand der Tempel, ohne weiteren Schaden zu nehmen.
Dort steht er nun und wartet darauf, wieder aufgemöbelt zu werden. Die notwendigen Vorbereitungen hat Gebhardt in den vergangenen Monaten bereits getroffen. Der pensionierte Architekt hat einen detaillierten Plan des Tempels angefertigt, alle rund 2000 Einzelteile auf ihren Zustand überprüft und, wenn nötig, behutsam ausgebaut. In der provisorisch eingerichteten Werkstatt des Museums lagern die besonders mitgenommenen Teile – darunter golden bemalte Drachenfiguren, mit buntem Spiegelglas geschmückte Stangen, hölzerne Dachverkleidungen in rot, grün und blau und die markante Spitze des buddhistischen Miniaturpavillons.
„Das wunderbare Original steht in Bangkok, es ist ein königlicher Sommerpalast“, schwärmt Gebhardt, der die Geschichte des Gebäudes ausführlich recherchiert hat. Zu der thailändischen Botschaft in Berlin, die er unverzüglich über den Verbleib des Modells aus Expo-Zeiten informierte, hält er weiterhin Kontakt. Dort erfuhr er auch, dass 90 thailändische Familien den Tempel seinerzeit eigens für den Auftritt auf der Weltausstellung in filigraner Handarbeit gefertigt hatten.
Mit Handarbeit soll es nun weitergehen. Gebhardt hat Auszubildende des Zentrums für Arbeit und Qualifizierung (ZAQ) der Leine-Volkshochschule für das Projekt gewinnen können. Die angehenden Maler werden alle beschädigten Teile fachkundig aufarbeiten – Mitte Februar soll es losgehen. Eine Aufgabe für Spezialisten übernimmt ein mit Gebhardt befreundeter Tischlermeister aus Magdeburg: Er fertigt mit seiner Drechselmaschine filigrane Streben, die in der Brüstung des Tempels fehlende Exemplare ersetzen werden. Gebhardt hat nachgezählt: 82 der 500 kleinen Holzteile sind im Laufe der Jahre abhandengekommen. Auch die Mitglieder des „Exposeeums“ werden einen Teil der Restaurierungsarbeiten übernehmen. Der 64-Jährige ist schon voller Tatendrang: „Das ist eine echte Herausforderung, die Spaß macht und die Augen glänzen lässt.“ Trotz des ehrenamtlichen Einsatzes des Vereins kostet das gesamte Vorhaben allerdings noch etwa 5000 Euro – eine Summe, die in der ohnehin klammen Kasse des „Exposeeums“ fehlen wird. Darum hoffen die Expo-Nostalgiker nun auf weitere Gleichgesinnte, die sich durch Spenden an der Aktion beteiligen oder selbst Hand an den Pavillon anlegen. Auch Unternehmen könnten zu diesem Zweck gerne Geld geben, merkt Gebhardt an.
Sicher ist: Zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten am 1. Juni soll der Tempel wieder in neuem Glanz erstrahlen und Erinnerungen an die Weltausstellung wecken. Und vielleicht, so hoffen Gebhardt und die anderen unermüdlichen Bewahrer des Expo-Erbes, gibt sich dann ja sogar der thailändische Botschafter die Ehre.
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