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Wieder fliegen die Tomaten

Wenig Interesse an Gemüseschlacht in Hannover

Von Vivien-Marie Drews

Die Lindener und die Nordstädter haben am Sonnabend auf der Dornröschenbrücke in Hannover einander mit Matschgemüse beworfen – aber das Interesse an dem Spektakel ist erlahmt.
Schauplatz Dornröschenbrücke: Die Gemüseschlacht tobt für zehn Minuten.

Schauplatz Dornröschenbrücke: Die Gemüseschlacht tobt für zehn Minuten.

© dpa

Zumindest stinkende Fischköpfe sind in diesem Jahr nicht geflogen, aber reichlich Gemüse war wieder in der Luft. Nichts knackiges, dafür gammelige Gurken, alte Äpfel und matschige Tomaten.

Wie schon in den vergangenen Jahren haben sich Lindener und Nordstädter am ersten Septemberwochenende eine Obst- und Gemüseschlacht auf der Dornröschenbrücke geliefert. Etwa zehn Minuten lang hagelte es am Sonnabend um kurz nach 16 Uhr über der Ihme ausschließlich vegane und in ihrem Zersetzungsprozess zumeist schon ziemlich weit fortgeschrittene Munition. Am Ende konnten die Nordstädter ihren Vorjahressieg verteidigen: Mit einer riesigen Ladung Äpfel zwangen sie die Lindener in die Defensive und überschritten schließlich als Erste die Stadtteilgrenze in der Mitte der Brücke. Nur die Zuschauer, die fehlten.

Vor sieben Jahren hatten Bewohner der Stadtteile die Schlacht erstmals ausgetragen. Der Legende nach waren Studenten im Lauf einer durchzechten Nacht auf die Idee gekommen. Rund 70 Lindener und Nordstädter nahmen an der ersten Gemüseschlacht teil, Dutzende Schaulustige kamen an die Ihme, um das Spektakel zu verfolgen – auch in den Jahren darauf.

Am Sonnabend war von dem alten Lokalpatriotismus nichts mehr zu spüren. Knapp 40 Gemüsewerfer fanden sich ein, um die Grenze ihres Stadtteils zu verteidigen, noch weniger Anwohner kamen, um zu unterstützen. „Die Initiatoren sind nicht mehr dabei. Das merkt man schon“, sagte eine der Zuschauerinnen. Auch die Gemüsekämpfer, seien nicht mehr die, die sie einmal waren. Während sich in den vergangenen Jahren vor allem Studenten aus der alternativen Szene mit der Tomate in der Hand gegenübertraten, wurde die Nordstadt in diesem Jahr vornehmlich durch betrunkene Punks vertreten.

Auch über den Sinn der Veranstaltung herrscht inzwischen Uneinigkeit. Die einen wollen einfach nur Spaß, andere sprechen hingegen von einem politischen Ziel. „Wir wehren uns gegen die Kommerzialisierung von öffentlichen Plätzen“, sagte eine Lindenerin.

Und noch etwas hat sich geändert: Während die Teilnehmer der Gemüseschlacht ihre Spuren anfänglich selbst beseitigten, ist das seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Im vergangenen Jahr übernahm die Stadt die Reinigungskosten in Höhe von rund 600 Euro. Wer sich am Sonnabend für die Reinigung der Brücke verantwortlich fühlte, blieb zunächst offen. Am Sonntag war sie zumindest wieder sauber.

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