Wie viele Kollegen hofft Markus Scheibe (rechts), dass Brauereichef Manfred Middendorff die Herrenhäuser Brauerei im Rahmen einer Planinsolvenz weiterführen kann.
In das Ringen um die Zukunft der insolventen Traditionsbrauerei Herrenhäuser haben sich mit der Einbecker Brauhaus AG und der Braunschweiger Brauerei Hofbrauhaus Wolters zwei andere niedersächsische Bierbrauer eingeschaltet. Beide stellten dem Gläubigerausschuss des Unternehmens sowie Insolvenzverwalter Torsten Gutmann am Mittwoch umfassende Konzepte zur Komplettübernahme von Herrenhäuser vor. Beide trugen vor, den Standort sichern zu wollen. Zu dem Ausschuss zählen ein Vertreter der Lieferanten, ein Repräsentant dreier Banken sowie das Finanzamt und die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG).
Den Erhalt der Arbeitsplätze verspricht auch der bisherige „Herri“-Eigner Manfred Middendorff. Er stellte den Vertretern der Gläubiger am Mittwoch sein Konzept für eine sogenannte Planinsolvenz vor. In einem solchen Szenario dürfte Middendorff das angeschlagene Unternehmen unter strenger Kontrolle weiterführen. Darüber hinaus präsentierten sich noch weitere mögliche Investoren – welche, wurde am Mittwochabend nicht bekannt.
Middendorff selbst sieht seine Mitarbeiter und die NGG auf seiner Seite. „Bei einem Verkauf werden in jedem Fall bestimmte Strukturen abgebaut“, sagte er am Mittwoch. Einige der Mitarbeiter, die am Mittwoch vor dem Büro des Insolvenzverwalters demonstrierten, sahen das genauso.
Die beiden Konkurrenten Einbecker und Wolters erläuterten gestern jeweils mehr als eine Stunde lang ihre Übernahmepläne und gaben ihr Gebot ab. Wolters will die Brauerei Herrenhausen als „eigenständiges Unternehmen“ weiterführen, wie Geschäftsführer Peter Lehna anschließend erklärte. Möglichst viele Arbeitsplätze, „auf jeden Fall mehr als die Hälfte der derzeit 72“, sollen erhalten bleiben. Die Finanzierung ist für die Braunschweiger, die 2009 einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro erzielten und „gute schwarze Zahlen“ schrieben, offenbar kein Problem. Das Finanzierungskonzept sei so ausgerichtet, dass die Existenz von Wolters „in keinster Weise gefährdet“ sei.
Starkes „strategisches Interesse“ an der Herrenhäuser Brauerei hat auch Einbecker, wie Vorstandsmitglied Bernd A. Gödde erklärte. Durch eine Übernahme könne Einbecker seine Marktposition in Südniedersachsen und in der Region Hannover „schlagartig verbessern“. Deshalb habe man ein Gesamtkonzept für den Standort samt Arbeitsplätzen, der Marke und der nötigen Investitionen vorgelegt. „In Herrenhausen gibt es einen großen Investitionsstau.“ Die Finanzierung jedenfalls sei „darstellbar“. Das börsennotierte Einbecker Brauhaus mit einem Umsatz von zuletzt knapp 45 Millionen Euro rechnet sich denn auch gute Chancen für eine Übernahme aus, wie Gödde erklärte. Man sei in der Lage, mehrere Marken unter einem Dach zu handeln. „Das kann nicht jeder.“
Beide Interessenten sind sich einig, dass Herrenhäuser nur durch eine Übernahme gerettet werden könne. Eine Zerschlagung wäre das falsche Signal, sagte Gödde. Die Entscheidung dürfte so schnell nicht fallen. Wolters-Geschäftsführer Lehna schätzt, dass die Prüfung der Konzepte bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen könne.
Carola Böse-Fischer und Felix Harbart