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Kultur Demba Nabé – Das Leben hat einen ausgegeben
Nachrichten Kultur Demba Nabé – Das Leben hat einen ausgegeben
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15:28 01.06.2018
Die Soulstimme von Seeed: Demba Nabé alias Boundzound alias Ear starb am Donnerstag im Alter von nur 46 Jahren. Quelle: dpa
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Berlin

Seeed erschienen auf der Bildfläche und der Reggae wurde mit ihnen Anfang des Jahrtausends so mittig in Deutschland wie seit Bob Marleys Zeiten nicht mehr. Ein elfköpfiges Offbeat-Team aus Karibisch-Berlin brachte da seine Version von Dancehall auf die Bühnen, hatte Ska ebenso im Sound wie Hip-Hop, arbeitete mit scharfem Gebläse und schnatternden Turntables und zitierte dabei auch schon mal The Cures „Close To Me“.

Seeed knipsten mit ihren Konzerten den Sommer an

Und seine drei Frontmänner, seine drei E’s – Enuff (Pierre Baigorry alias Peter Fox), Eazed (Frank A. Dellé) und Ear (Demba Nabé) – waren so körperlich enthusiastisch wie die fittesten Rapper-Gespanne. Die Hallen schwitzten bei Seeed, die Luft war in den ersten Reihen immer schon früh so weg, als wär’ man auf dem Mond. Seeed konnten mit ihren Konzerten den Sommer mitten im regenkalten Winter anknipsen, für gerade mal 90 Minuten. Man sonnte sich in Musik!

Völlig überraschend traf nun gestern die Nachricht vom Tod Demba Nabés ein. „Wir trauern um unseren Freund und Sänger Demba“, hieß es am Donnerstag auf der Seeed-Internet-Seite unter einem schwarz-weiß-Foto des Künstlers. Der 1972 in Berlin geborene Nabé starb im Alter von nur 46 Jahren.

Die Band ist tief getroffen, Freunde twittern ihrer Trauer

Zur Todesursache wurde nichts bekannt. Nabés Anwalt Christian Schertz bat um Respekt für die Bandmitglieder: „Da die Nachricht von Dembas Tod die Band tief getroffen hat und sie Zeit und Ruhe für ihre Trauer benötigt, bitten wir aktuell von weiteren Anfragen Abstand zu nehmen.“´

Auch Twitter trug umgehend Trauer. Rapper Marteria postete ein Foto von Nabé und schrieb: „Ruhe in Frieden, Deeemba“. Sein Rap-Kollege Frauenarzt ließ ein „RIP Demba. Zu jung und zu gut. Zu schade und zu traurig.“ verlauten. Und der Musiker und Fernsehmoderator Tobi Schlegel vermeldete. „Oh, nein!! Demba Nabé. Die Musik verliert ihren Beat.“

Seit 1998 machen die Musiker der Band Seeed gemeinsam Musik. Ihre bunte Mischung aus Dancehall, Reggae, Hip-Hop, Rap, Funk und Ska begeistert seither ihre Fans.

Und ihr Gefühl. Nabés Stimme galt als die emotionalste bei den Seeed-Terzetten. Die Band war ihm Familie, ein Durch-dick-und-dünn-Betrieb, der aber auch Raum für Freigänge bot. Noch bevor Peter Fox 2008 sein Album „Stadtaffe“ veröffentlichte, kam 2007 Nabé mit einem eigenen Werk, das seinen Künstlernamen „Boundzound“ als Titel trug und ihn als Solokünstler etablierte. 2010 folgte das Album „Bang“.

Gerade erst hatten Seeed eine neue Runde Musik angekündigt

Ein E fehlt jetzt bei Seeed. Dazu, wie es mit dem Reggae-Orchester weitergeht, gibt es so kurz nach der schockierenden Nachricht noch kein Band-Statement. Gerade erst hatten Seeed sich für eine neue Runde Musik aufgemacht, wollten neue Songs schreiben, hatten vor Monatsfrist eine Tour für den Herbst 2019 angekündigt.

Ein lang erwartetes Statement, das letzte Album war 2012 erschienen, die letzte große Tour 2014 zu Ende gegangen. Trotz des zeitlichen Abstands von mehr als einem Jahr begann sofort der Run auf die Tickets. Der Server der Ticket-Plattform brach zusammen, innerhalb von 30 Minuten waren die Konzerte ausverkauft gewesen.

Man hofft jetzt auf ein Weitermachen irgendwie. Aber wie? Man erinnert sich an die großen Zeiten, als die drei Es auf ihrer letzten Tour in Anzug und Schlips wie drei Blues Brothers des Reggae auftraten. Wie sie das Leben feierten mit den Themen: Fraunschau’n, Liebefinden, Seelenbefreien, Spaßhaben. Wie lässig das war.

„Wir werden die Voice von Berlin vermissen“

Und wie einem zugleich die Seeed-Bässe boxten, dass die Lippen flatterten und sich das letzte Amalgam für ein paar Flickflacks vom Zahnschmelz losreißen wollte. Der Schleppbeat von „Aufstehn!“ fläzt sich in magischer Zeitlupe durch unsere Erinnerung. Man will sich in den Rhythmus hängen und mit Nabé singen: „Baby, lass uns geh‘n / Das Leben will einen ausgeben / und das will ich seh‘n.“

Dreimal hat Nabé mit Seeed den Echo gewonnen. Beweise dafür, dass der jüngst gescheiterte Kommerzpreis zuweilen auch an wahrlich mitreißende Musik vergeben wurde. Auf dem offiziellen Twitter-Account der Stadt Berlin war gestern zu lesen: „Wir werden die Voice von Berlin vermissen. Der Sound bleibt ewig.“

Von Matthias Halbig / RND

Seit 20 Jahren stehen die Musiker der Berliner Band Seeed gemeinsam auf der Bühne. Nach dem Tod von Sänger Demba Nabé erinnern wir uns zurück an die Anfänge und die erfolgreiche Musik der „Dancehall Caballeros“.

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