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Kultur Diane Kruger triumphiert in Cannes
Nachrichten Kultur Diane Kruger triumphiert in Cannes
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21:24 28.05.2017
Diane Kruger in Fatih Akins Film „Aus dem Nichts“. Quelle: Festival Cannes
Cannes

Wer nach Cannes fährt, erhebt Anspruch auf ein Meisterwerk pro Jahr. Mindestens. Denn Meisterwerke muss dieses glorreiche Festival doch anziehen wie das Licht die Motten. Doch dann will der eine Film einfach nicht kommen, der Herzflimmern auslöst. Die Enttäuschung darüber kann man der Auswahl des Festivaldirektors in die Schuhe schieben, man kann aber auch nüchtern konstatieren: Womöglich war dieses eine Meisterwerk gar nicht im Angebot. So verhielt es sich auch beim 70. Jahrgang – und doch waren preiswürdige Filme zu finden.

Die schwedische Satire „The Square“ war deshalb nur eine Möglichkeit für die Goldene Palme, wenn auch nicht unbedingt die nächstliegende. Es gab eine Reihe anderer Filme, die härter und bitterer von menschlicher Unzulänglichkeit erzählten und die den Wettbewerb dominierten. Regisseur Ruben Östlunds Film aber versprüht spielerischen Witz, und dies muss der Jury um den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar gefallen haben: Ein Stockholmer Museumschef verheddert sich in seinen eigenen Ansprüchen auf politische Korrektheit und stellt fest, dass ganz egoistische Triebe in seinem wohlstandsgesättigten Innern rumoren. Da lässt er schon mal den Macho raus.

Dass es für Fatih Akin etwas zu feiern geben würde, war zu vermuten, als der Regisseur zusammen mit seiner Hauptdarstellerin gestern Abend auf dem roten Teppich aufkreuzte. Et voilà: Diane Kruger wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet für ihre formidable Vorstellung als eine Ehefrau, deren Hamburger Familie Opfer einer rechtsextremistischen Terrorgruppe wird und die in tiefster Verzweiflung auf Rache sinnt. Für Kruger, die einst aus Niedersachsen den weiten Weg nach Hollywood antrat, hat dieser Preis eine ironische Note: Erst mit ihrer Rückkehr kommt sie nun im Kinohimmel an – dies war der erste deutsche Film ihrer Karriere. Den letzten Darstellerinnen-Preis für eine Deutsche verdiente sich Barbara Sukowa mit „Rosa Luxemburg“ vor mehr als 30 Jahren.

Fatih Akin und Diane Kruger bei der Preisverleihung am Sonntag Abend in Cannes. Quelle: dpa

Bei den Männern holte sich US-Schauspieler Joaquin Phoenix den Preis: In dem Thriller „You Were Never Really Here“ taucht er als psychisch versehrter Killer in eine Mädchenhändler-Hölle ab und rettet eine Seele.

Natürlich durften die Franzosen nicht leer ausgehen, die Jury pickte sich den richtigen Beitrag heraus: Der Große Jury-Preis ging an das Drama „120 Herzschläge pro Minute“, in dem der Franzose Robin Campillo aus eigener Erinnerung an den Kampf um ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für Aids in Paris erinnert. Politische Aktion und intime Momente: Hier liegen sie wie selbstverständlich beieinander.

Den Jury-Preis ging wiederum an ein Drama, das Selbstsucht und Gnadenlosigkeit anprangerte – an „Loveless“ des Russen Andrej Zvyagintsev. US-Regisseurin Sofia Coppola durfte sich über den Regiepreis für „Die Verführten“ freuen. Ganz nachvollziehen lässt sich die Entscheidung aber nicht, handelt es sich dabei doch um ein entschlacktes Remake eines Clint-Eastwood-Films. Einen Spezialpreis zum 70. vergab die großzügige Jury an die unbestrittene Königin von Cannes: Nicole Kidman hatte gleich vier Leinwandauftritte.

Störenfried Netflix ging mit seinen Filmen wie beinahe schon erwartet leer aus, hatte sich der Streamingdienst doch geweigert, seine Filme später in französischen Kinos zu starten. Im nächsten Jahr dürfte Netflix ganz fehlen, wenn in Cannes wieder die Suche nach dem einen Meisterwerk beginnt.

Von Stefan Stasch/RND

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