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Kultur Die Katzenhafte: Schauspielerin Jeanne Moreau ist tot
Nachrichten Kultur Die Katzenhafte: Schauspielerin Jeanne Moreau ist tot
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15:36 31.07.2017
Die französische Filmlegende Jeanne Moreau ist tot. Quelle: dpa
Paris

Wo soll man bei Jeanne Moreau bloß anfangen? Bei der Lässigkeit, mit der sie eine Zigarette rauchte? Bei ihrem aufreizenden Gang auf Stöckelschuhen? Bei ihrer verführerisch kratzigen Stimme? Moreau war anders als so viele andere Leinwand-Berühmtheiten ihrer Zeit, die wie Sophia Loren oder Brigitte Bardot auch als Sexsymbol gefallen wollten. In ihren Rollen ließ sie einen Willen zur Unabhängigkeit erkennen, eine katzenhafte Eigensinnigkeit und die Bereitschaft, jederzeit gegen Anweisungen zu rebellieren.

Die französische Filmlegende Jeanne Moreau ist tot. Die Schauspielerin starb im Alter von 89 Jahren.

Aber das musste sie gar nicht, jedenfalls nicht gegenüber den Regisseuren, die ihrer Kunst gleich reihenweise erlagen. „Ich brauchte ihr nur zu folgen, fast ohne sie zu korrigieren“, hat Luis Buñuel über sie gesagt. Und dann bemerkte der Regisseur, mit dem sie „Tagebuch einer Kammerzofe“ (1964) drehte: „Wenn sie geht, zittert ihr Fuß leicht auf dem Absatz des Schuhs, ein Mangel an Stabilität, der beunruhigt.“

Als Louis Malle die Dreißigjährige in „Fahrstuhl zum Schafott“ (1957) als mörderische Ehebrecherin inszenierte, ließ er sie ohne künstliches Licht über die nächtlichen Champs-Élysées spazieren, getrieben nur von den Trompetentönen eines Miles Davis. Die beleuchteten Schaufenster genügten: Moreau strahlte von innen heraus. Von da an galt sie als das Gesicht der französischen Nouvelle Vague.

Alle Attribute einer Frau und auch alle Vorzüge eines Mannes

Der Film, mit dem sie sich tiefer als mit jedem anderem in die Kinogeschichte einschrieb, hieß „Jules und Jim“ (1962) von François Truffaut. Moreau spielte Catherine, die freiheitsliebende Frau zwischen den zwei Männern in dieser tragisch endenden „Ménage à trois“. Süffisant bemerkte Truffaut: Sie habe alle Attribute einer Frau und auch alle Vorzüge eines Mannes, allerdings ohne jedoch zugleich die männlichen Fehler zu haben.

Moreau verkörperte kein klassisches Schönheitsideal. Ihre intellektuelle Ausstrahlung und ihre demonstrative Distanziertheit machte sie zur großen Rätselhaften. In beinahe jeder ihrer Rollen traute man ihr zu, vorgegebene gesellschaftliche Bahnen mit größter Selbstverständlichkeit zu verlassen.

Geboren wurde Jeanne Moreau 1928 als Tochter einer britischen Tänzerin und eines französischen Gastronomen in Paris. Zunächst hatte die Begeisterung fürs Theater sie gepackt, die sie auch später nie ganz loslassen und bis an den Broadway führen sollte. Doch stellte Moreau fest: „Alles Revolutionäre spielt sich auf der Leinwand ab.“ Und so wählte sie das Kino.

Von der Nouvelle Vague zu Fassbinders Puffmutter

Ihre Filme suchte sie sich nach den Regisseuren aus. „Es gibt nichts Intimeres als die Zusammenarbeit mit einem Filmregisseur. Ich trage die Verantwortung dafür, die Fantasien des Regisseurs zu verkörpern“, so die Französin. Sie tat sich mit den bekanntesten Filmemachern des europäischen Kinos zusammen, mit Michelangelo Antonioni („Die Nacht“), Orson Welles („Der Prozess“), Roger Vadim („Gefährliche Liebschaften“) – später auch mit jüngeren Kollegen wie François Ozon („Die Zeit, die bleibt“), denn die Neugier hat die Schauspielerin nie verlassen. Faszinieren ließen sich ebenso deutsche Filmemacher: Rainer Werner Fassbinder besetzte sie als Puffmutter in „Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel“, Wim Wenders holte sie für „Bis ans Ende der Welt“ vor die Kamera.

Ein Leben ohne die Schauspielerei konnte sie sich nach eigenen Worten nicht vorstellen: „Ich höre erst auf, wenn ich tot bin.“ Nun ist Jeanne Moreau im im Alter von 89 Jahren in ihrer Pariser Wohnung gestorben.

Von Stefan Stosch/RND