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16:45 15.09.2016
Die Installation „America“ – demnächst als goldener Thron für jedermann im Guggenheim-Museum in New York. Quelle: RND
New York

Es ist ein bewährter Trick zum Entzaubern vermeintlicher Autoritäten: Stell sie dir auf der Toilette vor, und schon schrumpft der Übergroße zu einem ganz normalen Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen. Das New Yorker Guggenheim-Museum dreht den Spieß jetzt gewissermaßen um. Aus ordinären Besuchern werden dort mithilfe einer Kloschüssel ganz besondere Leute – denn wer kann schon von sich sagen, er nehme für seine geheimsten Verrichtungen auf purem Gold Platz?

Güldene Badezimmer sind für gewöhnlich den Superreichen vorbehalten, und genau diesen Umstand hat Bildhauer Maurizio Catellan aufs Korn genommen. „America“ nennt er schlicht sein Werk, eine klassische Toilettenschüssel nach amerikanischem Standard: vorn geteilte Brille, Abzug in Hebelform – nichts Besonderes, außer dass das ganze Ding dick mit 18-karätigem Gold überzogen ist. Als Anspielung auf die weit klaffende Schere zwischen Arm und Reich will der Künstler seine Kreation verstanden wissen, aber auch als Ausweis der Tatsache, dass in gewissen Situationen dennoch alle Menschen gleich sind.

Wer Eintritt zahlt, darf auf den Goldthron

Statt das gute Stück in einer Vitrine im Museum auszustellen, haben sich Catellan und die Guggenheim-Leute entschieden, den Goldthron im wahrsten Sinn des Wortes besitzbar zu machen. Also wurde eine der Unisex-Toilettenkabinen im Spiralbau an der Upper East Side geräumt, und statt schnöden weißen Porzellans funkelt dort jetzt die edelmetallüberzogene Variante, angeschlossen und voll funktionstüchtig. Wer die 25 Dollar Eintritt ins Museum zahlt, erwirbt damit zugleich das Recht, einmal, na sagen wir mal zum Zuge zu kommen.

Wann es so weit sein wird, ist indes noch offen. Und genau so ungeklärt sind Fragen, die sich unwillkürlich stellen angesichts so freien Zugriffs auf ein Kunstwerk: Wer achtet denn darauf, dass habgierige Besucher nicht hinter verschlossener Tür am Gold kratzen und sich ein Quäntchen in die Tasche stecken? Wird der Klogang videoüberwacht – womöglich von der NSA? Deren Leute jedenfalls dürften mit solchen Aufnahmen vertraut sein – auf den Bildern aus den Despotenvillen dieser Welt haben sie Goldtoiletten mit Sicherheit schon mal gesehen.

Von Stefanie Gollasch