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Kultur Fatih Akins neuer Film: Im Namen der Opfer
Nachrichten Kultur Fatih Akins neuer Film: Im Namen der Opfer
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17:44 26.05.2017
Diane Kruger als Katja und Numan Acar als Nuri tanzen in einer Szene des Films „Aus dem Nichts“. Quelle: dpa
Cannes

Und wenn doch mal was nicht passt, wird`s eben passend gemacht: Dann greift Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Handy und schickt dem Münchener Intendanten Matthias Lilienthal eine freundliche SMS. Und dann darf Kammerspiele-Schauspieler Franz Rogowski doch zur Premiere von Michael Hanekes Kinofarce „Happy End“ bleiben, in der er eine nicht unwichtige Rolle als familiärer Aufrührer hat. „Freiräume in Köpfen“ wolle sie mit ihrer Förderpolitik unterstützen, hat Grütters im Gespräch gesagt. Gerne auch per SMS.

Das „schöpferische Selbstbewusstsein“ von Filmemachern will Grütters ebenso ankurbeln. Bei Fatih Akin ist das gar nicht nötig. Gestern saß der Hamburger Filmemacher mit türkischen Wurzeln erstaunlich entspannt auf der Dachterrasse eines Nobelhotels an der Croisette, zusammen mit seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger, geboren als Diane Heidkrüger in Hildesheim, die nach Auftritten in Hollywood und Frankreich nun erstmals in einem deutschen Film zu sehen ist.

Diane Kruger, Fatih Akin und Denis Moschitto (v.l.) beim Photocall für Akins Film „Aus dem Nichts“. Quelle: imago/Starface

Den weiten Blick über das Mittelmeer aber nahm Akin nicht zur Kenntnis: Er ist wieder da, wo er sich sichtlich am wohlsten fühlt: auf einem der wichtigen – ach was: auf dem wichtigsten Filmfestival überhaupt. In Berlin holte er 2004 mit „Gegen die Wand“ den Goldenen Bären, in Cannes 2007 den Drehbuchpreis mit „Auf der anderen Seite“, sein Armenien-Drama „The Cut“ dagegen fiel 2014 in Venedig durch.

Alle Filme Akins sind persönlich

Jetzt hat der 43-Jährige wieder einen „sehr persönlichen Film“ gedreht, wie er sagt. Alle Filme Akins sind persönlich. „Aus dem Nichts“ ist seine Antwort auf die grassierende fremdenfeindliche Gewalt und den Umgang in Deutschland damit. „Vor ein paar Jahren tauchte ich selbst auf einer Neonazi-Website als Ziel auf“, sagt Akin. „Ich habe schwarze Haare, meine Eltern sind aus der Türkei, ich bin das perfekte Ziel.“ Für die Recherchen reiste er nach München zum NSU-Prozess und hörte sich an, wie die Polizei jahrelang in den Kreisen der Opfer, aber nicht am rechten Rand nach Tätern fahndete. „Beim Drehbuchschreiben mussten andere meine Wut regelrecht bremsen“, sagt Akin. Nun hat er einen Film im Namen der Opfer vorgelegt.

„Mein Mann hat niemanden umgebracht. Er wurde umgebracht“, sagt die verzweifelte Witwe Katja (Kruger). Ihr deutschtürkischer Mann Nuri und Sohn Rocco starben beim Anschlag mit einer Nagelbombe in Hamburg, das Ende einer Kleinfamilie, von der wir immer wieder Urlaubsvideos aus glücklicher Vergangenheit sehen. Und was tun die Ermittler? Sie suchen in Katjas Haus nach Verbindungen zur Drogenmafia.

Fatih Akin, der Rock ’n’ Roller des deutschen Kinos

Doch schon bald wendet sich nach einem Hinweis Katjas das Blatt. Ein Neonazi-Pärchen wird gefasst. Dann passiert das eigentlich Überraschende: Fatih Akin, der Rock ’n’ Roller des deutschen Kinos, zieht vor Gericht. Er lässt Anwälte und Richter scheinbar glasklare Beweise drehen und wenden und geht in die Details – bis das Pärchen zum Entsetzen Katjas freigesprochen wird.

Kruger muss das sich an der Faktenlage abarbeitende Drama zusammenhalten. Wir spüren, wie der Schmerz Katjas sich allmählich in Zorn verwandelt. Kruger macht das gut, es gibt in diesem Film kaum eine Szene ohne sie. „Der Dreh hat mich angegriffen, ich bin regelrecht abgemagert“, hat sie gestern auf der Dachterrasse gesagt. „Ich weiß jetzt schon, dass dies eines der wichtigsten Projekte meiner Karriere ist.“

Nah an der Gegenwart angesiedeltes Rachedrama

Und doch fehlt dem Film zunächst der rechte Akin-Drive. Erst als der Rechtsstaat versagt, hat Akin seine Heldin da, wo er sie haben will. Erst jetzt fängt „Aus dem Nichts“ in einem fulminanten Finale an, wirklich abzuheben. Katja muss sich entscheiden, ob Gerechtigkeit ohne Recht zu haben und was der Preis dafür ist.

Akin macht sich mit diesem so nah an unserer Gegenwart angesiedelten Rachedrama durchaus angreifbar. Dazu gehört Mut. Das ist ihm egal: Er filmt aus der Perspektive von jemandem, der sich betroffen fühlt.

Von Stefan Stosch/RND

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