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Kultur Die besten Hörbücher für den Sommer
Nachrichten Kultur Die besten Hörbücher für den Sommer
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13:59 28.06.2018
Dan Brown, Marc-Uwe Kling, Fritz Bauer – Hörbücher für den Sommer Quelle: Collage
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Hannover

Marc-Uwe Kling: Qualityland

Marc-Uwe Kling ist bekannt geworden durch seine „Känguru-Chroniken“, in denen neben dem Erzähler ein kommunistisches Beuteltier („Mein, dein. Das sind doch bürgerliche Kategorien“) die Hauptrolle spielt. Sein Roman „Qualityland“ führt den Hörer in eine vollkommen durchdigitalisierte Zukunft. Weil Algorithmen alle Bedürfnisse der Menschen kennen, liefert der beliebteste Online-Händler „TheShop“ ständig Waren, von denen man eben noch dachte, dass man sie gar nicht vermisst, und der Onlineverkuppler „QualityPartner“ weiß, wer zu einem passt als der noch analog gefundene Partner. Kling dekliniert vieles von dem, was sich heute schon andeutet, durch und schafft ein Land, in dem die Hauptperson, der Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser (die Menschen sind in Qualityland nach dem Beruf des Vaters beim Zeugungsakt benannt), gegen all den Irrsinn angeht. Sowohl beim Roman als auch beim Hörbuch gibt es eine dunkle Version für Pessimisten und eine helle Version für Optimisten, die sich nicht in der Geschichte, wohl aber in der zwischendurch immer wieder eingespielten (fiktiven) Werbung unterscheiden. Der satirische Roman gewinnt an Schwung und Komik, weil Marc-Uwe Kling in seiner Livelesung sein großes Talent zur Stimmenimitation unter Beweis stellt. Ein kurzweiliges Hörbuch, das von einer Zukunft erzählt, die zwar noch weit ist, aber heute schon begonnen hat.

Marc-Uwe Kling: „Qualityland“. Ungekürzte Lesung des Autors aus dem Mehringhof-Theater. Hörbuch Hamburg, 7 CDs, ca. 12,95 Euro.

Peter Stamm: „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“

Seit seinem Roman „Agnes“ wissen wir, dass Peter Stamm ein Meister des Verwirrspiels ist. In seinem neuen Roman „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“ baut er ein raffiniertes Figuren- und Erzähllabyrinth. Der Erzähler Christoph trifft die 20 Jahre jüngere Lena, der er erzählt, wie er vor 15 Jahren sein bislang einziges Buch über seine damalige Liebe Magdalena geschrieben hat. Lena gleicht Magdalena, und das Verwirrspiel wird komplett, als Lenas Freund Chris sich als Christophs Doppelgänger entpuppt – zumindest in Christophs Augen. Das klingt erst einmal kompliziert, ist aber so virtuos erzählt, dass Peter Stamm in dem Setting auch noch große Fragen unterbringt wie: Wer sind wir? Gibt es einen vorgezeichneten Weg, und wenn ja, können wir von ihm abweichen? Das Hörbuch wird gelesen von Christian Brückner, dessen Stimme die Melancholie der Geschichte transportiert.

Peter Stamm: „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“. Gelesen von Christian Brückner. Parlando. 3 CDs, ca. 16,99 Euro.

Mascha Kaléko: „Solo für Frauenstimme. Gedichte“

Die Gedichte Mascha Kalékos gehören zu den schönsten und melancholischsten, die in deutscher Sprache erschienen sind. Über ihre Dreiecksbeziehung schrieb sie einst: „Als wir zu dritt / Die Straße überquerten / Wurde sogar / Die Verkehrsampel / Rot.“ Ihr ganzes Leben, das 1907 im galizischen Chrzanów begann, 1938 mit der erzwungenen Emigration der Jüdin nach New York eine entscheidende Wendung nahm und 67-jährig 1975 in Zürich endete, spiegelt sich in ihren Gedichten wider. Die anfängliche Leichtigkeit weicht einer immer deutlicher werdenden Düsterkeit und Bitternis. Je dunkler die Gedichte werden, die auf „Solo für Frauenstimme“ zu hören sind, desto besser passen sie zur Stimme von Katharina Thalbach. Mascha Kaléko gilt es immer wieder zu entdecken, Katharina Thalbach immer wieder zu genießen. Ein wunderbares Duo der Frauenstimmen.

Mascha Kaléko: „Solo für Frauenstimme. Gedichte“. Gelesen von Katharina Thalbach. GoyaLIT. 1 CD, ca. 12,95 Euro.

Dan Brown: „Origin“

Dan Browns „Origin“ gehört sicherlich nicht zu den stärksten Romanen des amerikanischen Erfolgsautors. Dieses Mal hat der Autor von Büchern wie „Sakrileg“ oder „Illuminati“ seinen Helden Prof. Robert Langdon nach Barcelona und dort in die Welt der modernen Kunst und der künstlichen Intelligenz geschickt. Der angesehene Forscher Edmond Kirsch kündigt eine bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckung an, die die Grundfeste der Religionen erschüttern wird. Aber kurz vor seiner Präsentation wird er ermordet. Nun gilt es Kirschs Wissen zu bergen. Aber ob das wirklich eine gute Idee ist? Es dauert sehr lange, bis die von Wolfgang Pampel, der deutschen Stimme von Harrison Ford, gelesene Erzählung Fahrt aufnimmt. Aber auf der Plusseite steht wie immer Browns Kombination aus viel Phantasie, wissenschaftlichem Wissen und Sightseeing – mit einem überraschenden Ende.

Dan Brown: „Origin“. Gelesen von Wolfgang Pampel. Lübbe Audio. 6 CDs, ca. 18 Euro.

Peter Härtling: „Der Gedankenspieler“

In seinem letzten, postum erschienenen Roman „Der Gedankenspieler“ schreibt der im vergangenen Jahr gestorbene Peter Härtling über einen Griesgram. Johannes Wenger, der früher einmal Architekt war, ist gestürzt und kann sich nicht mehr allein bewegen. Zuzugeben, dass er es nicht mehr ohne fremde Hilfe schafft, fällt ihm schwer. Menschen, die ihm unter die Arme greifen wollen, stößt er vor den Kopf. In Gedanken schreibt Wenger Briefe, vor allem an seinen Freund und Hausarzt Mailänder, Briefe, die sich bis in die Kindheit Wengers zurückreichen. Markus Hoffmann liest den Roman ruhig und mit sonorer Stimme, und so, dass einem der Miesepeter Wenger doch noch ans Herz wächst.

Peter Härtling: „Der Gedankenspieler“. Gelesen von Markus Hoffmann. GoyaLIT. 4 CDs, ca. 17 Euro

Bertolt Brecht: „100 Gedichte“

Mehr als 2300 Gedichte und Lieder hat Bertolt Brecht geschrieben. Sein westdeutscher Verleger Siegfried Unseld wählte zu Brechts 100. Geburtstag im Jahr 1998 genau 100 Gedichte des Autors der „Dreigroschenoper“ und der „Mutter Courage“ aus. Diese Sammlung wird nun erstmals vertont und in einem wunderbaren dreistündigen Hörbuch von Katharina Thalbach und Sylvester Groth gelesen. Beide tragen auf sehr unterschiedliche Art und Weise Brechts lyrische Werke vor, die auch heute nichts von ihrer Schönheit, ihrer Kraft und teilweise auch ihrer Aktualität verloren haben.

Bertolt Brecht: „100 Gedichte“ Ausgewählt von Siegfried Unseld. Gelesen von Katharina Thalbach und Sylvester Groth. Der Audio Verlag. 3 CDs, ca. 20 Euro.

Homer: „Ilias“

Es ist die neueste Übersetzung dieses ältesten Textes europäischer Kultur: Im vergangenen Jahr kam Homers „Illias“ in der Übersetzung von Kurt Steinmann auf den Markt, zehn Jahre nach dessen Neuübertragung der „Odyssee“. Und so bereitet es Freude, die Geschichten von Achill und Hector, der schönen Helena, der ungehörten Kassandra und dem trojanischen Pferd noch einmal zu hören. Und wenn Christian Brückner den Text in dieser rund 22-ständigen Lesung spricht, wird nur zu deutlich, dass dieses Epos in seinem Ursprung mündlich übertragen wurde – und auch heute noch auf dieselbe Weise weitererzählt werden sollte.

Homer: „Ilias“. Gelesen von Christian Brückner. Parlando. 2 mp3-CDs, ca. 23 Euro.

Haruki Murakami: „Die Ermordung des Commendatore“

Wie fast immer ist auch der Held des neuen Romans von Haruki Murakami ein Enddreißiger aus Tokio. Dort hat sich der Ich-Erzähler einen Ruf als Porträtist erworben. Doch dann ändert sich schlagartig sein Leben: Seine Frau verlässt ihn. Der Maler fährt sechs Wochen durch Japan und zieht schließlich ein in ein alleinstehendes Haus. Dort legt ihm sein Agent eines Tages ein äußerst lukratives Angebot vor. Er soll das Porträt eines sehr reichen Mannes anfertigen. Er zögert zunächst, nimmt aber an. Fortan sitzt ihm Wataru Menshiki regelmäßig gegenüber. Doch der Ich-Erzähler kann den reichen Mann nicht fassen, nicht erfassen. Als der junge Maler in dem Haus ein Gemälde mit dem Titel „Die Ermordung des Commendatore“ findet, beginnen immer mehr merkwürdige Dinge zu geschehen. Die Grenze zwischen Realem und Irrealem verschwimmt – typisch Murakami – immer mehr. David Nathan, die deutsche Synchronstimme von Hollywood-Größen wie Johnny Depp und Christian Bale, liest beide Teile des Romans.

Haruki Murakami: „Die Ermordung des Commendatore“, Teil 1 und 2. Gelesen von David Nathan. Hörbuch Hamburg. Jeweils 11 CDs. Je ca. 18 Euro.

Friedrich Christian Delius: „Die Zukunft der Schönheit“

Zu Beginn dieses Hörbuchs ist anstrengende Musik zu hören, sehr anstrengende. Die Instrumente kreischen, schreien, es klingt nach allem Möglichem, aber nicht nach Musik. Es sind die Klänge des berühmten Jazz-Saxofonisten Albert Ayler und seiner Mitmusiker, die auch der Protagonist dieser kleinen, feinen Erzählung 1966 in New York hört. Anfangs ist der junge Schriftsteller, hinter dem sich der Autor der Geschichte, Friedrich Christian Delius verbirgt, irritiert von dieser atonalen Anklage an die Welt. Aber Stück für Stück gewöhnt er sich an die Musik. Vor allem aber löst der ungewöhnliche Live-Jazz Erinnerungen, Bewusstseinsströme, Gedankenexplosionen aus. Das Verhältnis zum Vater, die erste Liebe, das erste Schreiben – all das geht dem Autor durch den Kopf, wenn er Aylers Musik hört. Delius begeistert mit seiner großen Vielfalt, die Musik mit immer neuen Formulierungen zu beschreiben. Eine Vielfalt, die Christian Brückner als Sprecher in seine eigene Musikalität umsetzt.

Friedrich Christian Delius: „Die Zukunft der Schönheit“. Gelesen von Christian Brückner. Parlando. 2 CDs, ca. 17 Euro

David Johst und das Fritz-Bauer-Institut (Hrsg.): „Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken“

Fritz Bauer hat eine enorm wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus gespielt. Ohne den Einsatz des hessischen Generalstaatsanwalts wäre der Frankfurter Auschwitzprozess wohl nicht zustandegekommen. Das Hörbuch „Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken“, herausgegeben von David Johst und dem Fritz-Bauer-Institut, erzählt von Bauers Leben und vor allem von seinem Wirken. Gelesen wird es von Burghart Klaußner. Dies wird ergänzt von originalen Tondokumenten. Die Produktion erhielt in diesem Jahr den Deutschen Hörbuchpreis als „Bestes Sachhörbuch“. In der Jurybegründung heißt es unter anderem: „Eine große editorische Leistung (...) Hinzu kommt die schlüssige Montage der Originaltöne und der informativen Teile – letztere klar und angemessen nüchtern von Burghart Klaußner vorgetragen.“

David Johst und das Fritz-Bauer-Institut (Hrsg.): „Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken“. Gelesen von Burghart Klaußner. Der Audio-Verlag. 4 CDs, ca. 20 Euro.

Von RND/Kristian Teetz

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