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Kultur lokal Alexej Gorlatch begeistert im Stadthäger Schloss
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13:18 24.11.2013
Alexej Gorlatch fasziniert sein Publikum im Kaminsaal des Schlosses Stadthagen. Quelle: han

Restlos begeistert waren die rund 100 Zuhörer von der meisterhaften Darbietung des 25-Jährigen. Zum Auftakt erklang die bekannte „Sturmsonate“ von Beethoven, Op. 31/2. „Bei diesem Sonatenanfang zittert jeder Pianist“, kommentierte der Künstler.

Das Werk beginnt keineswegs in seiner Grundtonart d-moll, sondern mit einem A-Dur-Arpeggio. Zwar ertönt sofort das Thema, jedoch zunächst nur als Vorahnung auf das, was später passiert. Die Herausforderung besteht darin, dem Zuhörer dieses spannende, vage Vorgefühl entsprechend zu vermitteln.

Keinesfalls darf der Beginn wie ein bodenständiges A-Dur-Stück wirken. Dem Ausnahmetalent gelang die Herausforderung scheinbar mühelos. Von einer immensen inneren Spannung war der Zweite Satz geprägt. Beim Finalsatz hat sich der Musiker sehr exakt mit dem Notentext, und vor allem mit den Pedalangaben beschäftigt. Solch akribische Hingabe findet man noch nicht einmal bei einigen der großen Pianisten.

Nicht weniger faszinierten die „Deutschen Tänze“ von Schubert, D 783. „Es ist bewundernswert, mit was für einfachem Material Schubert arbeitet, aber dennoch eine Individualität für jeden einzelnen Tanz entwickelt“, schwärmte  Gorlatch. Traurigkeit sei in den Stücken enthalten, doch im Hintergrund gebe es immer ein inneres Lächeln, eine Freude am Dasein.

Die selten gehörte Klaviersonate in As-Dur WWV 85 von Richard Wagner fesselt mit Innigkeit und Leidenschaft. Laut  Gorlatch thematisiert sie die unglückliche Liebe des Komponisten zu der verheirateten Mathilde Wesendonck. Die harmonisch teils gewagte Sonate präsentiere eine innere Sicht auf Wagner.   Die Interpretation bestach durch Klarheit und Gestaltungskraft, nie verlor Gorlatch den roten Faden aus den Augen, nämlich die Fortentwicklung des Themas.

Zum krönenden Abschluss präsentierte der in der Ukraine geborene Künstler die Etüden op. 10 von Frederic Chopin. In ihnen hat sich der polnische Tonsetzer zwar diversen technischen Problemen gewidmet, dennoch sind es mehr als nur Klavierübungen. „Die einzelnen Stücke sind Diamanten. Sie haben einen eigenen Charakter“, sagte Gorlatch. Auch die Abfolge der Musiken sei wichtig, es sei wie eine Geschichte, die Chopin erzähle.

Mit zwei Zugaben bedankte sich der Pianist für den lautstarken, langanhaltenden Beifall.