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Ambitioniertes Projekt

Bückeburg / "Clavierübung" Ambitioniertes Projekt

Allein aufgrund ihres Umfangs ist die „Clavierübung“ von Johann Sebastian Bach nur selten zu hören. Vier Teile hat das Werk – alle lang genug, dass sie einen ganzen Konzertabend füllen könnten. In der Stadtkirche war jetzt der dritte Teil der „Goldberg-Variationen“ zu hören.

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Bachs „Clavierübung“ in der Stadtkirche.

Quelle: mig

Von Michael Grundmeier

Bückeburg. Ziel war es, die gängigen Gattungen und Kompositionsstile (Suite, Konzert, Präludium, Fuge, Choralbearbeitung und Variation) vorzustellen und zu zeigen, was möglich ist. Vier Teile hat das Werk, das alle Instrumente mit Klaviatur einbezieht: vom einmanualigen Cembalo im ersten Teil über die Orgel mit und ohne Pedal im dritten Teil, bis hin zum zweimanualigen Cembalo im zweiten und vierten Teil. Kurz: die „Clavierübung“ ist eine Mammutaufgabe für Organisten; schwer zu spielen und ein Höchstmaß an Konzentration abfordernd. Fritz Siebert aus Hannover ist das an allen drei Abenden – der letzte Teil steht noch aus – ohne jede Einschränkung gelungen.

Bach schrieb das Werk für seinen Schüler, den außerordentlich begabten Klavierspieler Johann Gottfried Goldberg. Goldberg sollte den Grafen Keyserlingk (den Auftraggeber des Werks) in schlaflosen Nächten mit einigen Stücken „sanften und etwas munteren Charakters“ erheitern. Im 20. Jahrhundert verhalf die Einspielung der „Clavierübung“ einem anderen Klavierspieler zum Durchbruch. Glenn Gould, Pianist aus Toronto, stieg mit seiner Version von Bachs „Aria mit 30 Veränderungen“ zum ersten Popstar der Klassikwelt auf .

In der Stadtkirche Bückeburg gelang der dritte Teil der „Clavierübung“ jetzt mit viel Einfühlungsvermögen und technisch auf ganz hohem Niveau. Das „Praeludium Es-Dur“ begann mit einem schönen, über den Raum ausgedehnten Plenum und drei schön herausgearbeiteten Themen (punktierter Rhythmus, fließende Tonleitern, die den Heiligen Geist symbolisieren sollen). Ergreifend gestaltet war der Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, mit seinen durcheinanderquirlenden Sechzehntel-Triolen und -Duolen. Fast meinte der Zuhörer, die „himmlischen Heerscharen“ zu sehen.

Ein weiterer Höhepunkt folgte nach der Pause mit „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Der fugierte Choral hat sechs Stimmen, die eine Atmosphäre der tiefsten Verzweiflung erzeugen und in ihrer Intensität ihresgleichen suchen.
Fazit: ein ambitioniertes Projekt, das schon jetzt als gelungen bezeichnet werden kann. Fritz Siebert spielt die „Clavierübung“ durchsichtig und scheinbar ohne Anstrengung. Dass hier ein Kraftakt stattfindet, der ein Höchstmaß an Konzentration erfordert, ist an diesem Abend an keiner Stelle zu hören.

Der vierte Teil wird am 10. November um 16 Uhr aufgeführt.

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