Damm sucht bei ihrer literarischen Wanderung zudem die Orte von Schillers Leben auf. Es ist ein überraschend kleiner Raum, denn Schiller hat nie die Schauplätze seiner Dramen – Frankreich, Schottland, die Schweiz – gesehen. Auch hat er nie in Italien an einem Meer gestanden. Vielmehr hat Geldmangel das Leben des Schriftstellers geprägt. Schiller war einer der ersten Autoren, der einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte als freier Autor zu bestreiten versuchte und somit gezwungen war, sich im kommerziellen Literaturbetrieb zu behaupten, ungeachtet dessen, dass er auch der Citoyen war, der Ehrenbürger der Französischen Revolution, und der Mann, den Kaiser Franz II. in den „heiligen römischen Reichs-Adelstand“ erhob. Diesen nicht immer graden Weg zeichnet Damm während der Lesung in Bad Nenndorf nach.
Bei aller äußeren Kargheit war dieses Leben dennoch kein Leben im Kleinen. Der Mensch, dessen Lebensspuren Damm folgt, sprach nicht nur von „Freiheit“, er war innerlich unabhängig. Die Räume, die seine Gedanken durchschritten, kannten laut Damm, keine Grenzen. Er war eher ein Mann des schroffen Urteils, dabei ein fürsorglicher Sohn und Vater, fähig zu dauerhafter Freundschaft, zu Frauen wie zu Männern, so die Autorin. Seine Freundschaft zu Goethe nannte er das wohltätigste Ereignis seines ganzen Lebens, auch wenn er sieben Wartejahre verbringen musste, in denen Goethe ihm die kalte Schulter zeigte. Erst in den letzten Lebensjahren entwickelte sich eine Arbeitsgemeinschaft, die nicht frei von Spannungen war.
Damm, in Gotha geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Mecklenburg. In Jena studierte sie von 1959 bis 1965 Germanistik und Geschichte. 1970 folgte die Promotion. Die Autorin ist Mitglied der Schriftstellervereinigung Pen. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen wie den Feuchtwanger, Mörike- und Fontane-Preis. bes
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