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Beethovens Eroica in glühenden Farben

Rinteln / Hannoversche Orchestervereinigung Beethovens Eroica in glühenden Farben

Beethoven selbst empfahl, seine reichlich lange Sinfonie Nr. 3, Es-Dur, op.55, “Eroica”, nicht erst zum Schluss eines Konzertes zu spielen, da sie sonst wegen Ermüdungserscheinungen der Zuhörer wirkungslos geworden wäre. Aber für solcherlei Bedenken waren am Sonntagnachmittag in der St. Nikolaikirche wahrlich keine Anlässe gegeben, als die stark besetzte Hannoversche Orchestervereinigung unter ebenso eleganter wie bestimmter Leitung von Martin Lill das lange Werk vorgeführt hat.

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Rinteln (dis) Bei Arman Chatschaturjans “Walzer aus der Maskerade-Suite”, der den Notenreigen einleitete, präsentierten sich die Gäste aus der Landeshauptstadt gleich in guter Form. Zügig und ganz auf eine durchgehende Linie bedacht, ließ der Stabführer dieses Paradestück wie in einem Guss durchfließen. Das motorische Moment der Musik war sehr ausgeprägt, und die Bildhaftigkeit sprach für sich. Nach diesem gelungenen Einstieg sorgte das Ensemble unter dem von Übersicht gekennzeichneten Dirigat Martin Lills dafür, dass Beethovens heroischer Opus in glühenden Farben erstrahlen konnte.

Mit Dynamik und Transparenz präsentierte Lill die Vielschichtigkeit der Komposition und schuf ein Konglomerat aus Vitalität und Spritzigkeit. Jenseits großer Gesten forderte er sein großes Team gleichermaßen. Die forcierten, dennoch nicht hektisch wirkenden Tempi verliehen auch den machtvollen Fortissimo-Passagen einen leichteren, fast tänzerischen Anstrich. Ebenso ließ der sensibel angegangene Trauermarsch trotz aller Düsterkeit optimistische Perspektiven durchschimmern, während das Scherzo wegen seiner jagdlichen Horneinwürfen springlebendig intoniert wurde. Mit einem strahlenden Finale, bei dessen rasanten Sturmläufen die gewaltige Klangfülle imponierte, setzten die Instrumentalisten einen markanten Schlusspunkt.

Von Beginn an nutzte Lill geschickt die Bewegungsenergie des Stückes. Bei aller Stringenz blieb aber genug Luft, um lyrische Stellen atmen zu lassen und Freiraum für die Solisten. Eine schlüssige Interpretation, die deutlich machte, warum Beethovens Symphonien bis heute eine ganz besondere Faszination ausüben kann.

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