Bückeburg (dis). Mit Esprit und Eleganz servierte die Gemeinschaft sozusagen als Ouvertüre Alexander von Zemlinskys und Erich Wolfgang Korngolds – er war damals elf Jahre jung – melodiös auftrumpfende Ouvertüre zur Ballett Pantomime „Der Schneemann“. Dann wetteiferte Peter Tschaikowskys effektvoller „Schneeflockenwalzer“ aus „Der Nussknacker“ um die Gunst des Publikums. Ein Ausflug in die atmosphärischen Gefilde der „Schlittenfahrt“ von Frederick Delius folgte gut ausgehorcht. Mit zupackender Akzentsetzung widmeten sich der agile Dirigent und munterer Plauderer anschließend dem Walzer op. 184 „Winterstürme“. Den stattete der Leiter einer Militärkapelle, Julius Fucík, dereinst mit einer Menge Dynamik aus, deren Attacken die Instrumentalisten laut und stürmisch nachvollzogen. Verschmitzt und verswingt kam die flotte „Schlittenfahrt“ des Leroy Anderson daher, und viel positive Stimmung verbreitete das „Winter Wonderland“ (Felix Bernhard/Calvin Custer).
Als Glücksfall musikalischen Dialogisierens erwies sich zwischendurch der von Katarzyna Mycka hinreißend an der Marimba intonierte und dem Orchester im besten Miteinander umrahmte 3. Satz „Walking on the Clouds“ aus dem Konzert Nr. 2, op. 34 des brasilianischen Schlagzeuger Ney Rosauro. Die gewandte, wieselflinke Solistin und deren „Assistenten“ ließen das Werk zu einem Ereignis werden, zu dem sich nach der Pause noch eines gesellte : Der zweite Satz „Rhythmique, énergique“ des Emmanuel Séjourné. Über dem Streichersound schwebten die wie improvisiert wirkenden bunt schimmernd ausgemalten Marimbatöne, der ebenso behänden wie gefühlvollen Künstlerin, die 2003 auch die Uraufführung in Dubai bestreiten durfte. Der ins Programm eingeflochtente „Winter“ von Antonio Vivaldi – mit dem 240 Kilogramm schweren, aus Palisanderholz gefertigten Marimbaphon als „Sologeige“ – setzte dem Ganzen die Krone auf.
Genügend Drive brachte Alexander zu Schaumburg-Lippe für die Schnellpolka „Winterlust“ (Josef Strauss) ein. Der durch Harfe und Cello noch verfeinerte hübsche „Schneeglöckchen“-Walzer (Johann Strauss Sohn), eine sehr rasante „Eislauf“-Polka sowie den musikalische Pirouetten drehenden „Schlittschuhläufer“-Walzer des Emil Waldteufel wusste der agile Mueller anschließend ins schimmernde Licht zu rücken. „An der schönen blauen Donau“ durfte in dem Reigen auch nicht fehlen.
Für den anhaltenden stürmischen Beifall spendierten das seit 150 Jahren bestehende Göttinger Symphonie Orchester und die Marimba-Spezialistin im Wahnsinnstempo Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“, und der schon traditionelle Radetzky-Marsch durfte als „Rausschmeißer“ auch nicht fehlen.
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