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Bewegende Klänge begeistern in St. Martini

Stadthagen / Premiere Bewegende Klänge begeistern in St. Martini

Eine Premiere haben die Besucher der „Orgelsommer“-Reihe der St.-Martini-Gemeinde am Sonntag erlebt. Erstmals wurden in der Stadthäger Kirche Tanz und Orgelmusik miteinander kombiniert. Auch für Margareta Hürholz (Orgel) und Anastasia Kostner (Tanz) war die Zusammenarbeit ein Debüt und ein Experiment.

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Anastasia Kostner beeindruckt mit einer hingebungsvollen Tanzdarbietung. © Hanke

Stadthagen (han). Im Mittelpunkt stand der französische Komponist Jehan Alain, der im Zweiten Weltkrieg im Alter von nur 29 Jahren starb und dennoch ein umfangreiches Œuvre hinterließ, das der französischen Orgelmusik wichtige Impulse gab.

Kostner beeindruckte durch ihre konzentrierte Ausstrahlung und eine hingebungsvolle Performance. Flirrende Klangflächen („Coulée“ von György Ligeti) setzte sie in langsame, spannungsvolle Bewegungen um. „Kampf“ ist der dritte Satz aus Alains „Trois danses“ überschrieben. Zu den Schlusstakten bäumte sich Kostner in kreisenden Linien auf, um anschließend niederzufallen. Die suggestiven Wiederholungen intensivierten die Darbietung.

Auch ein Werk von Johann Sebastian Bach erklang. „Ich empfinde die Bachschen Werke fast durchgängig als tänzerisch“, sagte Hürholz. Auch Alains Musik enthalte Bewegung, Lebendigkeit und Fantasie, sie sei Ausdruck der Dramatik des Lebens. Der französische Avantgardist habe damit im Kontrast zu akademischen Schulen und insbesondere zur „patriarchalischen französischen Orgeltradition“ gestanden. „Er hat die Orgel neu zum Klingen gebracht und ungewohnte Farbkombinationen entdeckt“, schwärmte die Kölner Musikprofessorin, die in den Siebziger Jahren in Paris bei Alains jüngerer Schwester Marie-Claire Alain studiert hatte.

Die „faszinierende Persönlichkeit“ Alain habe Barock- und Renaissancemusik bewahren und durch leichte Perspektivänderungen ins Moderne führen wollen. „Für die Klassik und die Romantik hat er sich nicht so sehr interessiert“, erklärte Hürholz, „ihm gefielen skurrile und parodistische Elemente.“

Die „Fantasmagorie“ aus dem Jahre 1935 sei für die damalige Zeit eine außergewöhnliche Komposition gewesen. Auch den Zuhörern in St. Martini dürfte das eindringliche Werk gefallen haben, dessen Reiz in den repetierten, hypnotischen Pattern liegt. Mit begeistertem Applaus dankten die Gäste für das eindrucksvolle Konzerterlebnis.

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