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Charme-Offensive der Boygroup "Voice"

Charme-Offensive der Boygroup "Voice"

Eigentlich logisch: Wer Lust hat, Musik zu machen, und keine Lust, sich mit irgendwelchen Instrumenten unnötig anzustrengen, benutzt einfach das körperliche Instrumentarium, die Stimme. Wunde Finger vom vielen Üben oder Muskelkater wegen der schweren Verhebungen am Klavier gibt es bei "Voice", der A-cappella Boygroup aus dem benachbarten Minden, nicht.

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Rinteln (dis). Aber was Felix, Silas, Bastian, Joshua und Aaron zum Abschluss der vom Kulturring veranstalteten Reihe "Sonntags im Prinzenhof" im voll besetzten Saal an Stimme, Stimmung und Bewegung zu bieten hatten, bereitete pures Vergnügen. Die Energie der quirligen Crew würde im Notfall auch zur Versorgung einer Kleinstadt reichen. Das singende und munter parlierende "Gesamtkunstwerk" brauchte nur wenige Sekunden, um klarzustellen, dass ungewöhnliche Arrangements und Aussprüche schon die halbe Miete sind. Die andere Hälfte plus Nebenkosten spielten lustige Gefühlsausbrüche, unkonventionelle eigene Kompositionen mit zum Teil überraschenden Texten und eine originelle Choreografie locker ein.

Da wurden ein bisschen die Comédien Harmonists nachgeahmt, das ulkige "Kuckuckslied" für Felix zum Besten gegeben, und Old Mac Donald mit seiner Farm kam auch nicht ungeschoren davon. Dass Männer Schweine sind, wusste Aaron zu verdeutlichen. Aber neben diesen viel variierten Themen gab´s jede Menge unerfüllte, aufdringliche, geheime, voyeuristische und schmachtende Selbsterkenntnisse. Drollig choreographierte rhythmische Love-Lieder, Bass Bastians Cis-Dur-Gesang mit sieben Kreuzen, ein facettenreich zelebriertes "Swing low" oder den urkomischen Quintetterguss über eine heißgeliebte unbekannte Dame waren auch nicht von Pappe. Die Pointen flogen wie Pingpongbälle, so schnell, so mühelos und leicht, dass man gar nicht darüber nachdachte, ob das einstudiert war. Das Programm traf den Nerv sehr unterschiedlicher Gäste. Dem langen Applaus nach hatten stilistische Vielfalt und die richtige Balance zwischen charmantem Entertainment und Nachdenklichkeit genau den Publikumsgeschmack gefunden. Das Konzept der sympathischen Westfalen ging voll auf, zumal sie zum Finale noch eine heiße Samba sowie ein Fragelied kredenzten und auf ihre trockene Art Binsenwahrheiten aufdeckten. Die Zugabe stand "im Auftrag der Bildung", denn jedem oblag es, sein Instrument zu singen.

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