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Kultur lokal Das Ende der Hexenjagd: Der späte „Ruhm“ der Gesche Köllars
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18:59 11.06.2010

Gesche Köllars, die wegen des Erhalts umfangreicher Prozessakten und dem daraus rekonstruierten Lebensweg wohl bekannteste Hexe im Loccumer Klostergebiet, starb am 2. Juni 1660 durch das Schwert im Stiftsort. Über die von Gesche Köllars bezichtigte Gesche Heimann wurde am 15. Juni das Todesurteil gesprochen, das vier Tage später vollstreckt wurde.
Sie war zuvor bereits zweimal angeklagt gewesen: 1634 erfolgte trotz Todesurteils in Herford die Freilassung in Minden; einem Todesurteil 1638 entzog sie sich durch Flucht.

Für 1661 nennen die Annalen noch zwei Prozesse gegen die Wiedensahler Männer Heinrich Heimann, den Ehemann der Gesche, und Johann Tiemann. Heimann, ebenfalls von der Köllars „besagt“, konnte vor einer Verurteilung und dem damit verbundenen Tod seinen Verfolgern entkommen, Tiemann wurde am 31. August des Jahres in Marburg freigelassen.
Im Zuständigkeitsbereich des Loccumer Klosters hatte es zwischen 1581 und 1661 insgesamt 54 belegte Verfahren wegen Hexerei gegeben. Von 28 Frauen und sechs Männern ist der Wohnort bekannt. Mit 15 Frauen und fünf Männern entfällt der Löwenanteil der Angeklagten auf Personen mit Wiedensahler Gemeindezugehörigkeit.

In seiner 1898 erschienenen „Geschichte des im Stiftsbezirke Lokkum gelegenen Fleckens Wiedensahl“ lässt der damalige Wiedensahler Pastor Albert Hahn erstmals eine breitere Öffentlichkeit an dieser wenig erbaulichen Zeit des Ortes teilhaben. In dem zur 700-Jahr-Feier der Wiedensahler St.-Nikolai-Kirche 1975 herausgegebenen Chronik „Wiedensahl früher und heute“ hat der damalige Konventual-Studiendirektor am Predigerseminar des Klosters Loccum und heutige Abt von Loccum, Horst Hirschler, unter der Überschrift „Der einsame Kampf der Gesche Köllars“ weitere Einzelheiten aus den Archiven des Klosters zu dieser unseligen Zeit zutage gefördert. Und 2007 brachte die Veröffentlichung einer Dissertation von Peter Beer an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen noch mehr Licht in dieses dunkle Kapitel Heimatgeschichte.

Der Band 41 der „Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens“ unter dem Titel „Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum“ macht bekannt auch mit der „Entwicklung der Hexenlehre“, nennt die wichtigsten Hexenverfolger der Region, veranschaulicht die Abläufe von Hexenverfahren, nennt Formen der Folter und veröffentlicht sogar detaillierte Kostenrechnungen des Prozesses gegen Gesche Köllars bis hin zum Verkauf ihres Hofs gegen „160 Thaler“ in zwei Raten.
Der erste Hexenprozess rund ums Kloster Loccum betraf danach mit Cathrin Spanuth, die nach einem acht Tage dauernden Verfahren im Dezember 1581 hingerichtet worden ist, ebenfalls eine Wiedensahlerin. Doch auch Urteile gegen Loccumer und Münchehäger Einwohner sind belegt. Dem damaligen Hagmeister (Bürgermeister) des Hagenhufendorfes Wiedensahl, Johann Brasse, war für Fälle im Stiftsdorf vom amtierenden und eigentlich zuständigen Abt Johannes VIII. (Barnewoldt) das Richteramt übertragen worden.

Beer findet bei seinen Forschungen dafür keine konkreten Belege, mutmaßt aber, die Übertragung dieses Richteramtes könne ein Entgegenkommen der Loccumer Obrigkeit gegenüber der dörflichen Bevölkerung gewesen sein. „In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts opponierte nämlich eine große Zahl von Mitgliedern der Gemeinde Wiedensahl gegen die Zugehörigkeit des Dorfes zum Loccumer Stiftsgebiet und sprach sich für die Eingliederung in die Grafschaft Schaumburg aus“.

Besonders in den Fokus gerät bei Beer der auch schon bei Hahn und Hirschler nicht unkritisch betrachtete damalige Pastor, Heinrich Rimphoff (1622 – 1638 in Wiedensahl), später Superindendent in Verden und derjenige, der nach dem Abzug der Katholiken im Dreißigjährigen Krieg Ende 1634 die erste evangelische Predigt in der Loccumer Klosterkirche gehalten hat. Er galt als begnadeter Prediger mit monologischen Auslegungen und Belehrungen bis zu zwei Stunden. Im „Wermutskranz“ sind die wichtigsten seiner Kanzelreden zusammengefasst. Der seinerzeitige Wiedensahler Pastor Helmut Strecker nennt ihn in „Früher und heute“ den „nach Wilhem Busch bedeutendsten Wiedensahler“.

Zugleich hegte Rimphoff laut Beer „an der Existenz von Hexen und Zauberern nicht nur keinen Zweifel, sondern war von einem regelrechten Hexenwahn befallen“. Hirschler analysiert: „Ich werde allerdings auch ärgerlich, wenn Leute meinen, sie müssten im Namen Gottes mit aller Kraft gegen solche ,teuflischen’ Vorgänge angehen; denn es lässt sich wohl vermuten, dass z. B. jener Rimphof(f) durch sein Reden [...] mit dazu beigetragen hat, dass die Menschen an solche bösen, übernatürlichen Mächte geglaubt haben“. „In seinem ,Drachenkönig’ eifert er unter den haarsträubendsten Erzählungen gegen die ,Hexen-Patronen, höllischen Wölfe und Spießgesellen des Teufels’, die nicht einverstanden waren mit der Verbrennung von Hexen“, geißelt Hahn.
In dem 1647 in Rinteln verlegten Buch mit dem programmatischen Langtitel „Drachenkönig – Das ist: Wahrhafftige Deutsche Christliche und hochnothwendige Beschreybunge deß grawsamen hochvermaledeyten Hexen und Zauber Teuffels“, begründete Rimphoff laut Beer „seinen Ruf als ,großer Hexenverfolger’ und ’Hexenriecher‘“.

Fünf Kapitel lang beschreibt dort der Gottesmann die herrschende Hexenlehre bis hin zum „Wetterzauber“. „Um seine Thesen zu untermauern, scheute sich der ansonsten streng antikatholische Rimphoff nicht, katholische Autoren zu zitieren“, hat Beer festgestellt.

Zugleich gerät bei diesem Thema der damalige Schaumburger Herrscher ins Zwielicht. Hirschler kommt zu dem Schluss: „Für Loccum war verhängnisvoll, dass in der benachbarten Grafschaft Schaumburg der sehr fähige und erfolgreiche Regent, Fürst Ernst (1601 – 1622), für eine scharfe Hexenverfolgung eintrat.“ Gerade in der Grafschaft Schaumburg hätten zwischen 1552 und 1659 viele Hexenprozesse stattgefunden. Fast alle Hexen seien verbrannt worden – „ein Zeichen, dass die Enthauptung, so grotesk das klingt, tatsächlich eine Gnade war“. soe

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