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„Das ist nicht lustig!“

Kultur / Hagen Rether im Ratsgymnasium „Das ist nicht lustig!“

Zu einem kabarettistischen Rundumschlag hat Hagen Rether ausgeholt. Rund drei Stunden lang ätzte der Pianist mit dem Pferdeschwanz gegen Politik und Medien, gegen Wut- und Angstbürger. Dem Stadthäger Publikum in der rappelvollen Aula des Ratsgymnasiums gefiel der saure Pointen-Regen.

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Hagen Rether spart nicht mit Spott und Kritik.

Quelle: han

Rether will kein Papagei der Tagesthemen sein. Das aktuelle Politgeschehen interessiert ihn nicht. Bemühte Kalauer, fade Parodien und ranzige Gags findet man in seinem Programm zum Glück nicht. Dafür aber ein, zwei rote Fäden.

Statt mit dem Finger auf Einzelakteure zu zeigen, interessiert sich der 42-Jährige für das große Ganze. Beispiel: Klientelpolitik sei keine Spezialität der FDP, sondern ein Systemfehler. Es sei nötig, die Lobbyisten zu vertreiben, „so wie Jesus die Händler aus dem Tempel getrieben hat.“

Unermüdlich drosch der Satiriker auf Presse und Politik ein, auf Panikmache, falsche Gewichtungen und mediale Nebelkerzen. Waffenhändler landen im Knast, Produzenten und Politiker hingegen nicht. Zu Guttenberg durfte gehen, größere Fische hingegen blieben im Amt. Die somalische Hungersnot wurde aus den Zeitungsspalten verdrängt, und zwar von niemand Geringerem als der entlaufenen Kuh Yvonne. „Das ist nicht lustig!“, versicherte der Satiriker immer wieder. Das restlos begeisterte Publikum hatte dennoch seinen Spaß.

Politik und Medien verstünden es laut Rether bestens, Angstkarten hochzuhalten und das Volk in Furcht erstarren zu lassen. „So kriegst du die Jahre rum.“ Ob weihnachtliche Terrorwarnungen, Stalinismus, Linkspartei, Zeckenbisse im Mai oder libanesische Familienclans: Obwohl jeder wisse, wie die Medienmuster funktionieren, falle man immer wieder darauf rein. Das Relevante hingegen werde vernachlässigt. „Letztes Jahr sind 70 000 an Alkohol krepiert. Haben Sie Angst vor Riesling?“ Nein, dann schon eher vor der Vogelgrippe.

Auch die obligatorische Religionskritik fehlte nicht. Nicht nur dem Vatikan, auch den Buddhisten warf Rether Frauenverachtung vor. „Der Dalai Lama ist der Peter Lustig für enttäuschte Christen.“

Kulturellen Hochmut kritisierte der Kabarettist ebenso scharf. Araber ließen sich für die Demokratie erschießen, dennoch zweifele man hierzulande an deren Demokratiebestrebungen. „Wann ist uns eigentlich die Empathie abhanden gekommen?“ Und zum Thema Integration: „Oft sind es diese jungen Frauen mit Kopftuch, die viel besser Deutsch können und viel besser integriert sind, als ihre vollkommen überassimilierten, bauchnabelgepiercten Arschgeweihschwestern.“

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