Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Die Jüngsten früh ins „Musik-Boot“ holen

Landkreis / Musikunterricht Die Jüngsten früh ins „Musik-Boot“ holen

Die Deutschen musizieren immer seltener, sagt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Zwar gebe es noch in jedem dritten Haushalt ein Instrument, dieses werde aber kaum gespielt. Außerdem heißt es, Kinder fingen zwar früh mit einem Instrument an, blieben aber immer seltener dabei. Für Schaumburg lässt sich dieser Trend  teilweise bestätigen.

Voriger Artikel
Strahlend schönes Timbre erfüllt Gotteshaus
Nächster Artikel
Neues von Schauenburgs Ursprüngen

Beim Erlernen eines Instruments sind Mädchen in der Regel ambitionierter.

Quelle: mak

Landkreis (mak, kil). Die Zahl der Musikschüler hat sich zwar nicht dramatisch verändert, den Einfluss von Ganztagsunterricht, Turbo-Abi und demografischem Wandel spüren aber auch Musikschulen und Händler.

In reinen Zahlen ausgedrückt, sind die Musikschüler an der Kreisjugendmusikschule Schaumburg (KJMS) in den vergangenen fünf Jahren von 1661 (2007) auf 1715 (2012) sogar mehr geworden, berichtet Kreisdezernentin Katharina Augath. Einen Großteil davon machen mittlerweile aber Kooperationen mit Grundschulen und Kitas aus. Unter dem Motto „Wir machen die Musik“ gehen Lehrer der KJMS wöchentlich in zwölf Kitas und drei Grundschulen, um die Jüngsten an Musik heranzuführen, berichtet Lutz Göhnemann, Leiter der KJMS. Einen Einbruch der Schülerzahlen sieht er nicht. Zum Abi nach zwölf Jahren sagt er aber: „Dadurch bricht uns ein gesamter Jahrgang weg.“ Auch der Ganztagsunterricht spiegele sich im Freizeitverhalten wieder. Kinder stünden heute oft vor der Entscheidung: Mache ich Sport oder Musik.

Die Kooperation mit Kitas und Schulen, so Augath, ermögliche es, auch Kinder, die sonst keine Gelegenheit zum Musizieren hätten, zu erreichen. „Darin unterscheiden wir uns auch von anderen privaten Musikschulen, wie zum beispiel die Schaumburger Märchensänger“, sagt sie.
Diese können sich aber trotzdem nicht über einen drastisch sinkenden Zulauf beklagen, sagt Horst Tebbe, Vorsitzender der Musikschule „Schaumburger Märchensänger“. „Die Schüler verlassen uns durch das Turbo-Abitur zwar eher, jedoch kommen immer wieder jüngere Schüler nach“. Kritisch sei, dass sich heute weniger Kinder und Jugendliche für klassische Instrumente interessierten.

Das sieht Pierre Mensching (Musikschule Mensching in Stadthagen) anders: „Der Trend geht wieder zu handgemachter Musik“, weg vom Computer. Traditionelle Instrumente wie Akkordeon seien wieder gefragt. Auch er kann zwar keinen deutlichen Schüler-Rückgang feststellen, weist aber auf eine wachsende „Spaltung in der Gesellschaft“ hin. Ein kleiner Teil könne sich viel leisten, andere Familien viel weniger. Außerdem stellt er fest: „Die Kids sind heute oft überlastet“. Früher konnten sie ab 11.30 Uhr mit dem Unterricht anfangen, heute frühstens um 4.

Wolfgang Wicklein, Lehrer für klassische Gitarre an der Musikschule Schaumburger Märchensänger kann über das Ergebnis der Studie nur lachen und weist auf die Teilnehmerliste der vergangenen „Jugend musiziert“ Wettbewerbe hin. Diese sei mit 380 Seiten „so dick wie ein Telefonbuch“. Er sagt: „Der Zulauf schwankt je nach Popularität des Instruments, wird aber im Prinzip nicht weniger. In seinem Kurs wagen sich auch Mädchen an die klassische Gitarre.

Ditmar Lampe vom Musikgeschäft „Lampe“ in Bückeburg sieht keinen Rückgang der Lernbereitschaft von Kindern und Jugendlichen, was auch an den Eltern liege: „Sie entwickeln langsam ein neues Kaufbewusstsein – weg von billigem Kinderspielzeug zu qualitativ hochwertigen Instrumenten“. Auffällig sei, dass Mädchen länger am Ball blieben als Jungen, fügt Kollege Jürgen Lindemeier hinzu. Sein Schlagzeugkurs werde überwiegend von Mädchen besucht. Bei Einsteigern sei besonders das Digital-Piano beliebt, nicht zuletzt aufgrund ihrer Bandbreite an unterschiedlichen Funktionen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben