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Dunkel, aber nicht trostlos

Stadthagen / Asrin Eskandari Dunkel, aber nicht trostlos

Der Eindruck von Dunkelheit und Enge überkommt den Betrachter von Asrin Eskandaris Fotografien. Die Menschen auf den schwarz-weißen Abbildungen scheinen der harschen Umgebung durch ihre Nacktheit umso stärker ausgeliefert, noch verletzlicher. Die Bilder zeigen, wie die 27-jährige Kunstfotografin das Leben der Frauen in ihrer Heimat Iran sieht: Dunkel und eingeengt. „Sie warten auf bessere Tage“, sagt Eskandari.

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Asrin Eskandaris verfremdete Aufnahmen sind auf den ersten Blick nichts für schwache Nerven.

Quelle: Foto: pr.

Stadthagen (jcp). Die junge Frau selbst war das Warten leid und flüchtete Ende vergangenen Jahres nach Deutschland. Seit ein paar Monaten lebt sie in Stadthagen. Ihre Bilder hat sie nicht zurücklassen müssen, dem Internet sei Dank. Über Facebook sind Eskandaris Werke für jeden frei einsehbar.

Die Fotos erzählen nicht von Freiheit, sondern vom Gegenteil. Eines der teilweise mit Montagetechnik verfremdeten Aufnahmen zeigt eine Frau durch eine düstere Gasse streifen. „Es ist wie in einem Gefängnis“, erklärt Eskandari.
Ohne diese Interpretationshilfe wirken einige Elemente der Serie „Moment of Reflection“ wie Szenenbilder eines Horrorfilms. Auf einem ist ein Kopf mit einem zweiten Mund auf der Stirn zu sehen. Der Mann oder die Frau, der Grad der Verzerrung lässt hier kein eindeutiges Urteil zu, scheint zu schreien. Die Hintergrundfarbe ist tiefes Schwarz.

Tatsächlich ist es auch der Horror, mit denen sich „Moment of Reflection“ beschäftigt. Der Horror der Unterdrückung und der Rechtlosigkeit. So negativ das alles klingen mag, Eskandari will mit ihren Bildern keine Verzweiflung schüren. Im Gegenteil. Die Kurdin selbst musste fliehen, weil sie kämpfte, statt sich zu ergeben. Sie stellte die bestehende Ordnung infrage, nicht nur abstrakt in ihrer Kunst, sondern auch konkret bei Demonstrationen und als Fotoredakteurin zweier Tageszeitungen.

Zu einem Moment der Reflexion sollen die Bilder die Betrachterinnen einladen, zu einem Nachdenken über ihre Rolle in der iranischen Gesellschaft. Ein Bild zeigt eine Frau, die unbekleidet auf einem Gebetsteppich liegt. Der Eindruck von der Nacktheit, die Schutzlosigkeit vermitteln soll, lag nicht in der Absicht der Fotografin. Vielmehr stehe der unbekleidete Körper für Freiheit und das Gefühl, „sein zu können, wie ich bin“.

So simpel das klingt – im Iran war es Eskandari nicht möglich.

Fotos der Künstlerin gibt es hier.

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