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Ein Spinnennetz von Intrigen

Bad Nenndorf / Theater Ein Spinnennetz von Intrigen

Ein großes Ensemble der Landesbühne Sachsen-Anhalt Eisleben hat am Montagabend den Gästen des Theaterkreises im Kulturforum zum Saisonende Peter Turinis sarkastisch-satirisches Stück "Der tollste Tag" fern von Beaumarchais Ur-Fassung mit Elan, Gefühl und so manch eingebauter "Tollheit" nahegebracht.

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Das große Ensemble der Landesbühne Sachsen-Anhalt Eisleben kommt bei den Zuschauern gut an.

Quelle: Foto: dis

Bad Nenndorf (dis). "Oh, wie ich es bedauere, dass ich aus diesem moralischen Thema keine blutige Tragödie gemacht habe. Ich hätte dem gekränkten Gatten, der nicht Figaro heißen sollte, einen Dolch in die Hand gegeben und ihn in seiner zornigen Eifersucht mit edler Geste den mächtigen Lüstling erstechen lassen!" Aber Beaumarchais und sein Figaro durften nicht. Turrinis "Der tollste Tag" hingegen führt die Handlung konsequent zu Ende und spart das Grobe keineswegs aus. Als der Graf Susanne vergewaltigt, bringt ihn Figaro um. "So ist es nun mal: Die Macht erlaubt den Witz des Machtlosen nur solange, als ihre Interessen davon nicht bedroht werden," beurteilt der Autor sein "böses" Werk von 1972. Ausstatter Sven Hanse ließ es sich allerdings nicht nehmen, in Sachen Kulissen, aufwendiger Kleidung, Perücken und hell geschminkten Gesichtern in die Historie zurückzufallen. Dass Turrinis Sprache dem ganz und gar nicht zuträglich ist, machte den eigentlichen Reiz der gelungenen, dichten Einstudierung von Oberspielleiterin Martina Bode aus. Obendrein gab es noch ein sehr stimmiges Ensemble, das dank dichter Darstellungen die zweieinhalbstündige Aufführung spannend und kurzweilig erscheinen ließ.

Die Geschichte vom schürzenjagenden Grafen, der die Kammerzofe seiner Frau erobern will und am Ende stattdessen die Gräfin selbst beglücken soll, konzentrierte die Regisseurin auf das Verwirrspiel, das schließlich bei Turrini zur Katastrophe führt. Die Scharniere der Intrigen werden fleißig geölt – und entsprechend verläuft die Story, die in den drolligsten historischen Kostümen im zeitlosen Raum des Hofklatsches angesiedelt ist. Mit den Opfern, die zu Täter(inne)n werden. hatte Bode besonders viel im Sinn. Annette Baldin verlieh der ansonsten temperamentvollen Gräfin einen Hauch von Wehmut. Eine patentere Susanne als Yvonne Döring hätte man sich nicht wünschen können. Christopher Wartig lotete seinen Figaro mit Kraft und Gefühl aus. Aber auch Andreas Brockmeyer (Bartholo), Ismael Volk (geile Marcelline), Clara Schoeller (schmachtender Cherubin), Leif Scheele (lüsterner, überdrehter Graf), Christian Steinborn (Antonio) und all die anderen Mitstreiter entlockten ihren Parts mannigfache Nuancen. Trotz fortgeschrittener Zeit sparten die Zuschauer nicht mit langem Applaus.

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