Bitterböse und urkomisch: Richard Rogler mit seinem Programm „Stimmung“.
Bombenstimmung im Ratsgymnasium Stadthagen“, stellte Richard Rogler fest, als er die Bühne betrat. Bombenstimmung herrscht angeblich auch im Rest von Deutschland. So zumindest beschreibt es der Kabarettist in seinem aktuellen Programm: „Wer hat eigentlich jemals behauptet, wir Deutschen hätten schlechte Laune? Das Gegenteil ist der Fall.“ Passend zur Situation trägt sein Programm auch den Namen „Stimmung“. Und für ebendiese sorgte der Kabarettist aus Oberfranken wie immer auf seine ganz eigene, unverwechselbare Weise.
Mal als Dialog, mal als Selbstgespräch präsentierte er sämtliche Irrungen und Wirrungen der heutigen Zeit, und zwar in ihrer ganzen Absurdität. Sein Publikum hatte er dabei fest im Griff, wenn er, oft bitterböse, seine Irritation über das Zeitgeschehen und so manche Partei zum Ausdruck brachte und bei seinen Gästen mit jeder Pointe ins Schwarze traf. Besonders denkwürdig: seine bissige Satire über die Situation in Afghanistan.
Dabei wollte er doch, wie er selbst sagte, gar kein politisches Kabarett mehr machen. Zumindest nachdem er erkannt habe, dass man mit Politik heute „nix mehr reißen kann“. Die Deutschen erwarten von Politikern schon lange nichts mehr, umgekehrt genau dasselbe. „Von Politik hast du nur noch was, wenn auch ein Posten für dich abfällt“, stellte Rogler schließlich fest. Doch das mit dem Parteibeitritt sei eben auch so eine Sache, denn: „Parteien sind nur was für Leute, die auf natürlichem Weg keine Freunde finden.“
Entsprechend ließ der Kabarettist an keinem der aufs Korn genommenen Parteien und Politikern ein gutes Haar: Schröder preist die „neue Mitte“, doch keiner findet sie, die Grünen fordern bald eine Atmungssteuer für Feinstaubausgleich und ein paar Linke wollen die Sieben-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich einführen. Dass die FDP überhaupt an die Regierung durfte, sei ihm ein Rätsel. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel musste Federn lassen: Unfähig, zu grüßen, zu klatschen und zu winken, und dabei der Erkenntnis ausgeliefert, dass die Politik sie längst verblödet hat, fragt sie sich beim Telefonat mit Sarkozy: „Was hat Carla Bruni, was ich nicht habe?“
Am Ende musste Rogler doch zugeben: „Es geht nicht mit, aber auch nicht ohne Politik.“ Auf einige andere Entwicklungen der jüngsten Zeit hätte er dagegen gänzlich verzichten können – beim Yoga schläft er ein, beim Stretching erhalten seine Füße kurzzeitig unterschiedliche Postleitzahlen. Und während Rentner stolz ihre iPhones präsentieren und 55 000 Erziehungsratgeber den Markt überfluten, verbreiten Politiker sinnlose Nachrichten über Twitter.
Es war in der Tat ein großer Topf aus Ärger- und Wundernissen, aus dem Richard Rogler in seinem Programm schöpfen konnte. Welche Weisheiten man aus seinen Ausführungen ziehen könne? „Aufheben, was man fallen lässt, und beim Duschen immer darauf schauen, dass der Vorhang innen ist.“ kle