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Familiengeschichte mit Sprengkraft

Kultur / "Das Haus am See" Familiengeschichte mit Sprengkraft

Es gibt sie: diese seltenen Sternstunden im Theater, wo alles in Einklang ist: Werk, Besetzung, Bühnenbild und Kostüme. Wie nach Maß. Ohne Schwachstellen. Dominik Paetzholdts feinnervige Inszenierung von Ernest Thompsons „Das Haus am See“ für den Kulturring am Donnerstagabend im dicht besetzten Brückentorsaal war so ein Glücksfall.

Rinteln (dis). Und bot für die Theatergastspiele Kempf mit Viktoria Brahms als Ethel Thayer sowie Volker Brandt als drollig eigenwilliger Pensionär Thayer mit kleinen Gedächtnisausfällen, zwei ebenbürtige Partner, die den Sommer wie jedes Jahr im Ferienhaus verbrachten.

In bewegenden, zu Herzen gehenden Szenen, deren tragikomische Momente immer wieder von Heiterkeit abgelöst wurden, entwickelte das in die Jahre gekommene Paar Pläne und ging auf die Mucken und Macken des anderen ein. Genauer gesagt: Man kabbelte sich liebevoll, umsorgte sich und tolerierte die Schwächen des Gegenübers mit Humor. Zum 75. Geburtstag vom Papa kam nach langer Abwesenheit mal wieder Tochter Chelsea samt neuem Zahnarztfreund Bill Ray und dessen pubertierender Sohn Billy in die Idylle am See zurück. Dass das gespannte Verhältnis zwischen Vater und Tochter gleich wieder aufbrach, lag auf der Hand. Doch immer war das Bemühen um Verständigung in diesem psychologisch fein gezeichneten Stück wesentlich. „Das Haus am See“ ist kein Werk der großen Taten, sondern eines der großen Worte und Gefühle. So stehen Gespräche und Dialoge im Mittelpunkt, die wegen der exzellenten Protagonisten voller Bildhaftigkeit ausgemalt wurden. Dominik Paetzholdt hat mit dem Stück ein wahres Schätzchen herausgeputzt.

Großartig, mit welch Bühnenpräsenz und Präzision Volker Brandt und Viktoria Brahms im Zusammenwirken agierten - Gemütsregungen sichtbar machten und den Balanceakt zwischen Tragik und Komik genau ausbalancierten. Die Rollen lieferten alles, was sich Mimen nur wünschen können: flotte Dialoge, starke Gefühle, gut dosierte Pointen und genug freies Feld für das eigene Spiel. Besonders Brandt zeigte hierbei, wie man sich mit Fingerspitzengefühl seine Lacher abholen kann, und dass der sonst so gern benutzte Holzhammer durchaus nicht nötig ist. Raum zur Entfaltung hatten aber auch Susanne Meikl als Chelsea und Lukas Ruben Eickholl im Part des an Oma und besonders dem Opa hängenden Stiefenkel Billy. Momme Mommsen verkörperte sowohl den leicht distanzierten Liebhaber der Tochter des Hauses, Bill Ray, sowie den Postboten Charly Martin. Die Beifallswogen am Schluss galten allen Protagonisten.

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