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Flügelspiele im Sausewind im Wilhelm-Busch-Geburtshaus

Wiedensahl / Ausstellung Flügelspiele im Sausewind im Wilhelm-Busch-Geburtshaus

„Rickeracke! Rickeracke! / Geht die Mühle mit Geknacke.“  - Und setzt mit diesem wohl bekanntesten Satz Wilhelm Buschs zum Thema Mühlen dem Leben der Bösewichter Max und Moritz ein grausames Ende. Dabei wurde dieses Mahlwerk von Wasserkraft angetrieben. Doch Windmühlen gehören neben Brücken zu den im Gesamtwerk Busch immer wieder auftauchenden Bauwerken.

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Ein letzter prüfender Blick: Museumsleiterin Gudrun-Sophie Frommhage-Davar vor zwei Mühlenzeichnungen Wilhelm Buschs.

Wiedensahl (soe). Jeweils rund 30 Darstellungen der historischen Windräder in Gemälden und Zeichnungen nach der Natur sind bei Busch belegt. Zehn davon hängen jetzt in einer kleinen Präsentation im Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus. Die Ausstellung unter dem Titel „Flügelspiele im Sausewind“ wurde dort am Sonntag, am 180. Geburtstag des Malers und Zeichners, Dichters und Denkers, eröffnet. Die Ausstellung im „Schatzkästchen“ dauert bis zum 9. September.

Auch wenn man es anders zu kennen glaubt: Nur in drei Bildergeschichten wird geschrotet: Wie beim Ableben der bösen Kinder auch in „Die kühne Müllerstochter“ mit Fließenergie. Allein beim fliegenden Esel in „Der Bauer und der Windmüller“ wird gepustet. Dazu gibt es im lyrischen Werk vielfältige Erwähnungen und in Briefen quer durch alle Jahre zahlreiche Verweise auf die Jungenfreundschaft mit Erich Bachmann in der Ebergötzener Mühle, wo er „recht gewiegt und gerüttelt wurde“, wie er Weihnachten 1873 an die Keßler-Kinder Nanda und Letty schrieb.
Im malerischen Werk beschränkt sich Wilhelm Busch auf zwei immer wieder kehrende Motive: Die beiden Wiedensahler Windmühlen: Die einst an der Straße nach Loccum im Norden des Dorfes weithin grüßende Bockmühle und den deutlich jüngeren Holländer am Ortsausgang Richtung Stadthagen. Dabei muss der Künstler bei seinen zahlreichen Spaziergängen oder auf den Reisen via Stadthagen in die weite Welt immer wieder auch andere Windmühlen gesehen haben. Die Westfälische Mühlenstraße mit mehr als 40 heute noch oder wieder funktionstüchtigen historischen Anlagen führt quasi in Sichtweite an Wiedensahl vorbei.

Besonderes Augenmerk fanden bei den gut 30 Busch-Freunden, die sich zur Eröffnung an historischer Stätte zu einem „Tuch auf Busch“ getroffen hatten, zwei Bilder, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt dem Oeuvre Buschs zuordnen würde. Da ist einmal ein fein gegliedertes Aquarell, das alle die dunklen, kräftigen frühexpressionistischen Striche vermissen lässt, die einen „Öl-Busch“ sonst ausmachen.

Und dann gibt „Die Bockmühle bei Mondschein“ einige Rätsel auf. Zu einem fahlen Mond, der am linken Bildrand halb hinter einer Buschreihe verschwindet, passen offensichtlich nicht im rechten Vordergrund Lichtreflexionen auf einer Wasserfläche.

Doch gerade diese Überraschungen, die immer wieder auch Hinweise geben auf mancherlei Brüche im (Künstler-)Leben des Wilhelm Busch, seien es, so Museumsleiterin Gurdrun Sophie Frommhage-Davar, die jede Auseinadersetzung mit Busch so spannend machten. Oder wie Rudolf Meyer, der Leiter des Förderkreises Wilhelm Busch Wiedensahl anmerkte: „Das Bild hätte Wilhelm Busch selbst wohl nie ausgestellt. Aber solchen Geburtstagsfeierlichkeiten hätte er sich wohl auch entzogen. Aber er kann uns ja nicht mehr daran hindern.“
Einen besonderen Blickfang bietet dazu ein Balkendreieck mit den Baumeister-Daten aus der 1729 errichten Wiedensahler Bockmühle. Es ist heute im Bestand des Museums im Alten Pfarrhaus zur Wiedensahler Dorfgeschichte und das letzte erhaltene Stück dieses einstmals stolzen Bauwerkes, das 1928 von seinem Besitzer kurz vor der für ihn drohenden Aufnahme in einen Denkmalsschutzliste in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zerlegt worden ist.

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