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Fulminanter Applaus für „Großes 3D-Kino“

Bad Eilsen Fulminanter Applaus für „Großes 3D-Kino“

Gala-Vorstellung im gut besuchten Kursaal: Das Gastspiel der „Mindener Stichlinge“ hat am Sonntag verdientermaßen den fulminanten Schlussapplaus des faszinierten Publikums erhalten.

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Die „Mindener Stichlinge“ liefern im Kursaal eine mit viel Beifall honorierte Nachmittagsvorstellung ab.

Quelle: bus

Bad Eilsen. „Großes Kino – jetzt in 3D“ hatten die Stammgäste diesmal im Gepäck. Und die von den Kabarettisten abgelieferte munter-spitzzüngige Szenenfolge hielt alles, was sich die Zuschauer von Deutschlands dienstältestem Amateur-Bühnen-Ensemble versprochen hatten.

 Regisseur Birger Hausmann und dessen Assistent Jürgen Juchtmann vertrauten ihre gesungenen und gesprochenen Texte erneut der erprobten Besetzung Kirsten Gerlhof, Rolf Mietke, Guido Niemeyer und Oliver Roth an. Für die (Film)-Musik zeichnete wie gewohnt Dietmar Möller verantwortlich. Mit der aus Porta Westfalica stammenden Sängerin Anke Simon und dem Bielefelder Schauspieler Frank Oesterwinter ergänzten zwei recht talentierte und wandlungsfähige Novizen das Quartett. Alle zusammen orientierten sich in den Programmtiteln an Cinema-Klassikern wie etwa „Traumschiff“, „Unter Geiern“ und „Mission Impossible“. Den aufmerksamen Zuhörern erschloss sich allerdings alsbald, dass Titel und tatsächlich Gebotenes nicht immer Hand in Hand gingen.

 Beispiel: „In 80 Tagen um die Welt“, bei denen die Reise schnell Richtung Griechenland führt. Griechenland und die Türkei müssen einfach nur fusionieren. So eine Art Wiedervereinigung wie zwischen den ost- und westdeutschen Brüdern und Schwestern. Und um die Lösung rund zu machen, werden die Japaner (die gerade eine Strahlentherapie absolvieren) nach Brandenburg umgesiedelt. Denn: Japan ist ein Volk ohne Raum und Brandenburg ein Raum ohne Volk.

 Ein weiteres Beispiel ist „The Kings Speech“ gewesen, in der keineswegs ein König, sondern der amerikanische Präsident Barack Obama das Wort ergreift: „Schuld an die Misere in die USA hat Europa, die Nahe Osten out of Israel, die UK, Nordafrika und die Tsunami in Japan. In die USA habe ich keine Schuldige gefunden. Bei allem, was wir tun, darf von amerikanischem Boden nie wieder eine Finanzkrise ausgehen. Sollte es in die USA dennoch noch einmal eine Finanzkrise geben, will ich Lehmann heißen.“

 Unter dem Beispiel „Dr. Seltsam“ wird unter dem Arbeitstitel „Der große Plagiator“ ein Film über Dr. Guttenberg vorbereitet – in 3D natürlich. Und der Regisseur hofft, dass die Dreharbeiten nicht ganz so lange dauern wie die Fälschung einer Doktorarbeit. Was bei den engagierten Drehbuchautoren („die schreiben 1A ab“) nicht schwierig sein dürfte. Allerdings kann Herr Guttenberg sich in dem Streifen nicht selbst spielen – in dem Fall würde Plagiatsverdacht aufkommen.

 Beispiel: „Fox tönende Wochenschau“, in der keineswegs ruckelnde Schwarz-Weiß-Sequenzen sondern aktuelle Nachrichten aufflimmern. Wie etwa: Altbundespräsident Wulff bekommt am Weltfrauentag den großen Zapfen gestrichen. Oder: Die empörungspolitische Sprecherin der Grünen, Lady Gaga, fordert bei Brustimplantaten ein Verbot der umstrittenen Silikonkissen. Um gesundheitliche Risiken auszuschließen, sollen nur noch kompostierbare Bio-Produkte zugelassen werden – wie beispielsweise Körnerkissen.

 Der üppig spendierte Schlussbeifall rührte nicht zuletzt daher, dass die „Stich(el)linge“ in ihrer 2012er Produktion nicht so sehr auf pathetisches Actionkino oder plüschigen Kostümfilm setzten, sondern eher Politsatire, Gesellschaftsstreifen und Wirtschaftskrimis zur Aufführung brachten. Dass das „große Kino“ im Kursaal am Nachmittag über die Bühne ging, tat dem Vergnügen keinerlei Abbruch.

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