E-Book oder Hardcover: Die digitale Verfügbarkeit von Literatur wird zur Konkurrenz des gebundenen Buches. Das „Kindle“-Lesegerät von Amazon (kleines Bild) verkauft sich im Internet hervorragend. Foto: kil/pr.
Im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung des Internets hat bereits das eine oder andere Medium seinen „Körper“ verloren und sich in digitalisierter Form wiedergefunden: Ob Musik, Film oder Lexikon – fast alles lässt sich mittlerweile ganz einfach und günstig herunterladen. Anders verhält es sich mit dem Medium Buch, das lange Zeit seine klassiche Form bewahrt hat. Zwar gab es bereits in den siebziger Jahren erste nicht-kommerzielle Ansätze einer digitalen Verfügbarkeit von Büchern, richtig durchsetzen konnten sich die E-Books bei den Verbrauchern aber auch in den Neunzigern nicht, wie das Magazin „Focus“ berichtete. Erst in den vergangenen Jahren und nicht zuletzt durch die Einführung des „Kindle-E-Books“ von Amazon lasse sich ein Trend zur Digitalisierung des Buchmediums erkennen, schreibt der „Focus“.
So hat der US-Internetanbieter nach Informationen der Zeitschrift „Der Spiegel“ in den vergangenen drei Monaten pro 100 Hardcover 143 „Kindle-E-Bücher“ verkauft. Dabei hat sich die Verkaufszahl vom ersten Halbjahr 2009 zu 2010 verdreifacht.
Im Schaumburger Buchhandel scheinen diese Entwicklungen noch keine merklichen Spuren hinterlassen zu haben. Das könne zum einen darin begründet sein, dass die speziellen E-Lesegeräte mit einer Preisspanne von 150 bis mehr als 400 Euro einfach zu teuer seien, sagte Hans-Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Buchhandlung Schmidt in Stadthagen. Zwar gebe es auch eine Software für den Computer, auf diese Art sei das Lesen aber noch wesentlich unhandlicher.
Zudem ist die Hardware in zahlreichen Elektromärkten im Landkreis derzeit noch gar nicht verfügbar. Der Vertrieb der E-Reader sei noch nicht absehbar, sagte Axel Krohnevid, Mitarbeiter bei „Expert“ in Stadthagen.
Im „Kleinen Buchladen“ von Marianne Friedrich in Stadthagen habe es bereits die eine oder andere Nachfrage nach einem Lesegerät gegeben, sagte die Buchhändlerin, die die Hardware auf Kundenwunsch bestellt. Diese Kunden seien vor allem Leser, die viel reisen. Einen Online-Zugriff über ihren Buchhandel einzurichten, kommt für sie jedoch nicht in Frage. „Ich glaube nicht, dass der klassische Buchhandel in den Kleinstädten durch den E-Book-Markt verdrängt wird.“
Friedrichs Ansicht nach gibt es zahlreiche Leser, die das klassische Buch bevorzugen. „Die Leute wollen in einem Buch blättern und die Seiten fühlen. Sie schätzen den haptischen, materiellen Wert der Printmedien.“ Im Bereich der Fachliteratur und im Schulbuchwesen kann sie sich eine Verschiebung zum digitalen Buch in der Zukunft allerdings durchaus vorstellen.
Buchhändlerin Jessica Kuhfuß aus der Buchhandlung Scheck in Bückeburg setzt ebenfalls ganz auf den materiellen Reiz. „Ein Buch will man mit allen Sinnen erleben. Die Leser wollen ein Buch ins Regal stellen können“, erklärte sie.
Auch Schmidt hat in seinem Geschäft in der Kreisstadt bisher keine Einbußen beim Buchverkauf verzeichnet und befürchtet diese auch in Zukunft nicht. Für ihn stecken die E-Bücher noch „in den Kinderschuhen“. Die E-Reader seien nicht benutzerfreundlich und attraktiv genug. „Die breite Masse möchte in einem Buch stöbern und blättern können, ohne Verzögerungen durch technische Abläufe“.
Auf das Argument des unpraktischen Gebrauchs hat Amazon jetzt mit einer neuen „Kindle“-Generation reagiert. Mit neuem Display, einem Gewicht von nur 247 Gramm, doppelt so viel Speicherplatz wie das Vorgängermodell und einem erhältlichen Leder-Cover kommt das E-Book dem Hardcover-Buch – zumindest äußerlich – immer näher.
Ob es dem gebundenen Buch aber den Rang ablaufen kann, ist offen. In Schaumburg gibt es noch immer Leseratten der „traditionellen Art“. Die Jugendlichen Kim (14) und Maya Wagner (15) aus Heuerßen finden es „ganz schön doof, wenn es keine Bücher mehr gibt“. Und Mareike Wulf (28) aus Münchehagen kann es sich ebenfalls nur schwer vorstellen, auf einem Bildschirm zu lesen. „Meine Bücher nehme ich überall mit hin. Auf die Couch, in den Garten und in die Badewanne“.