Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Gemeinsames Singen und kurzweiliger Publikumsdialog

Stadthagen / „Musica delecta“ Gemeinsames Singen und kurzweiliger Publikumsdialog

Musik aus der Lutherzeit ist am Freitag in der St.-Martini-Kirche Stadthagen erklungen. Der Programmtitel „Ein feste Burg ist unser Gott“ verwies auf das bekannteste Kirchenlied aus der Feder Martin Luthers.

Voriger Artikel
Die „Farbträger“ aus der Umgebung
Nächster Artikel
Macht der Stimme: Verzicht auf Licht- und Klangeffekte

Das Ensemble „Musica delecta“ erfreut mit Musik der Lutherzeit.

Quelle: han

Stadthagen (han). Es musizierte das Ensemble „Musica delecta“, bestehend aus Marcia Lemke-Kern (Gesang und Schlagwerk), Britta Hinrichs (Dulzian, Krummhorn, Flöten), Irmelin Heiseke und Barbara Hofmann (beide Viola da Gamba) sowie Elisabeth Schwanda (Flöten).

Im Zentrum des Konzertes standen vier vom Reformator komponierte Lieder. Es folgte jeweils ein mehrstimmiger Satz, der quasi als Ersatz für ein Orgelvorspiel fungierte und in dem die Luther-Melodie als Cantus firmus „versteckt“ war. Danach griff das Publikum zu den Gesangbüchern, um gemeinsam mit dem Ensemble die Loblieder anzustimmen.

Zudem erfreuten die fünf Berufsmusikerinnen mit weltlichen Kompositionen wie zum Beispiel Tanzsätzen. „Denn schließlich ist Luther nicht nur ein Kirchenmann, sondern auch ein sehr lebensfroher Mensch gewesen“, sagte Hofmann.

Präzise und einfühlsam wurde musiziert. Zu schade, dass Renaissance-Musik so selten auf den Programmzetteln auftaucht.  Mit viel Sinn für Nuancen deckte das Quintett die anrührende Schönheit dieser Klangwelten auf und machte Lust auf mehr. Bei Wiederholungen wurden Melodien raffiniert verziert und in ein neues Licht getaucht. Während des Spiels wechselten die beiden Flötistinnen blitzschnell ihre Instrumente und sorgten so für eine verblüffende klangliche Abwechslung.

Zwar wirkten die Werke nicht sonderlich virtuos. Der Schwierigkeitsgrad darf jedoch nicht unterschätzt werden. Besonders die Homophonie stellt große Anforderungen an Genauigkeit. Tanzsätze beginnen häufig mit demselben Rhythmus in allen Instrumenten. „Da muss das Zusammenspiel gnadenlos präzise sein“, erklärte Hofmann, „bei romantischer Musik hingegen kann man sich 'reinschleichen'“.

Die Zuhörer wurden nicht allein gelassen. In ihren kurzweiligen Moderationen erläuterten die Künstlerinnen Kompositionstechniken und geschichtliche Hintergründe, sie demonstrierten ihre Instrumente und sorgten so für einen leichteren Zugang zu dieser faszinierenden Musik.

Das gemeinsame Singen und der amüsante Publikumsdialog ließen ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen. Wenn Musik so charmant vermittelt wird, braucht kein Konzertveranstalter davor zurückzuschrecken, die musikalischen Schätze der Renaissance auf das Programm zu setzen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben