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Hohe musikalische Ausdrucksdichte erreicht

Stadthagen / Konzert Hohe musikalische Ausdrucksdichte erreicht

Was ist ein ideales „Warm-up“? Für das Publikum des Vereins Kultur Stadthagen waren es am Sonnabendabend im ausverkauften Kaminsaal des Schlosses heitere Beethoven-Klänge.

Stadthagen (dis). Cellist Gautier Capuçon und Pianist Frank Braley begrüßten ihre Zuhörer mit sieben Variationen über das bekannte Mozart-Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus der „Zauberflöte“. Die reizenden Stückchen Ludwig van Beethovens beinhalteten zwar auch turtelndes Geplänkel und verliebtes Herzflimmern, aber mehr noch einen ausgeprägten, selbstbewussten Disput der Instrumente, bei dem auf starke dynamische Kontraste gesetzt wurde. Dank beiderseitig lobenswerter Spieltechnik blieb das Klangbild sehr transparent. Der Streicher ließ sein Instrument geradezu singen, wobei ihm Braley gleichgesinnte Partnerschaft bot.

In Dmitri Schostakowitschs „Sonate op. 40“ konnte sich Capuçons Begabung in voller Breite entfalten. Der Instrumentalist erfasste und deutete Dramatik wie Groteske, thematische Tiefe und lyrischen Reiz. Zudem gestaltete er den wiederholten Wechsel von Largo und Allegro detailgetreu. Ausladende melodische Sprünge gelangen ebenso wie russische Kantabilität. Sein Begleiter machte durch einfühlsame Unterordnung und – wenn nötig – auch durch konzertantes Hinausragen aus der Rolle auf sich aufmerksam.

Mit den poetischen Fantasiestücken op. 73 von Robert Schumann eröffneten Capuçon und Braley den zweiten Teil, wobei sie in bester Übereinstimmung klanglichen Feinsinn und feurigen Schwung paarten. Wiederum wusste der Cellist einen edlen und vollen Ton ins Feld zu führen. Was bei Schumann „Zart und mit Ausdruck“ oder etwa „Rasch und mit Feuer“ wirklich bedeuten können, wurde aufs Schönste nachgezeichnet.

In Felix Mendelssohn Bartholdys großer D-Dur-Sonate entzündeten sich dann noch einmal die Temperamente. Capuçon und Braley verliehen dem Stück den passenden, die „Romantik“ nicht über Gebühr strapazierenden Sound und meisterten auch die virtuosen Ansprüche elegant. Das unproblematische Hörvergnügen zwischen wogenden Skalen und poetischen Sphären fand entsprechend große Zustimmung, denn zum Finale gab es reichlich Beifall und Ovationen im Stehen für die international gerühmten Musiker.

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