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Horst Haitzinger rät: „Lassen Sie sich Zeit“

Rinteln / Ausstellung Horst Haitzinger rät: „Lassen Sie sich Zeit“

Würde man alle Karikaturen zeigen wollen, die Horst Haitzinger in seinem Leben gezeichnet hat, würde das Museum Eulenburg in Rinteln bei Weitem nicht ausreichen.

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 Stefan Meyer (links) begrüßt Horst Haitzinger zur Eröffnung der Ausstellung.

Quelle: tol

Rinteln (jaj). Seit 1958 ist der Künstler im Geschäft, bei einer Karikatur pro Tag wären das bis heute etwa 20000 Stück, hat der Erste Stadtrat Jörg Schröder nachgerechnet. Doch auch wenn die gestern eröffnete Dauerausstellung nur einen Ausschnitt der Werke des Künstlers zeigen kann, schafft sie es dennoch, einen Hauch Zeitgeschichte nach Rinteln zu bringen. Denn der Wahl-Münchener hat eine ganz besondere Gabe: „Themen, die ganze Ordner füllen können, bringt Horst Haitzinger auf einer Seite auf den Punkt“, formulierte es Schröder bei der Eröffnung der Ausstellung gestern Abend.

 Ob Boris Jelzin, Helmut Kohl, George W. Bush, Angela Merkel oder Barack Obama – es gibt kaum einen Politiker, den Haitzinger in den vergangenen Jahren nicht karikiert hat. „Aber für einen Politiker ist es ja wahrscheinlich auch schlimmer, nicht von Ihnen gezeichnet zu werden“, bemerkte Schröder an den Künstler gerichtet, der mit seiner Ehefrau persönlich anwesend war.

 Doch nicht nur Politik, auch weltpolitische Themen finden sich in den Karikaturen wieder, besonders der Umweltschutz liegt dem Künstler am Herzen. Diesem Themenfeld wurde daher ein eigener Bereich im Erdgeschoss gewidmet, wo insgesamt rund 40 farbige Karikaturen zu sehen sind, die Haitzinger für die „Bunte“ gemalt hat. Auch das politische Weltgeschehen der Jahre 1982 bis 2008 kann dort anhand der Karikaturen nachvollzogen werden.

 Die Fenster des Raums wurden extra abgedunkelt, um die Farben der Zeichnungen nicht zu gefährden. „Dabei frage ich mich immer wieder, wie man so ordentlich mit Farbe malen kann, ganz ohne Sprenkel und Punkte“, fragte sich Museumsleiter Stefan Meyer in seiner Eröffnungsrede. „Mit Radiergummi und Tipp Ex“, konterte Haitzinger trocken.

 Im ersten Obergeschoss des Museums findet der Besucher weitere 80 Zeichnungen, die allerdings in Schwarz-Weiß gehalten sind. „Wahrscheinlich werden Sie nicht bei jeder dieser Karikaturen sofort das passende Ereignis präsent haben“, warnte der Künstler die anwesenden Gäste vor. Das sei aber ganz normal, die heutige Zeit sei einfach zu schnelllebig. „Lassen Sie sich Zeit“, lautete daher sein Rat. „Die Ausstellung ist so umfangreich, genießen Sie sie lieber dosiert als zu viel auf einmal.“

 Welchen Stellenwert die Karikaturen Haitzingers in den vergangenen Jahrzehnten erreicht haben, zeige auch, dass die jüngere Generation sozusagen mit den Werken des 73-Jährigen aufwächst, erklärte Museumschef Meyer. „Nicht nur in Politikbüchern, auch in Büchern für den Erdkunde- und Geschichtsunterricht sind sie zu finden“, hat er beobachtet. Und zehnmal waren Haitzinger-Bilder sogar auf dem Titel des wichtigen Polit-Magazins „Der Spiegel“ zu sehen.

 Entstanden ist die Ausstellung mit Unterstützung und im Rahmen des 250. Jubiläums der Schaumburger Zeitung, deren fester Bestandteil Haitzingers Karikaturen seit mehr als 25 Jahren sind. Der Dank des Museumsleiters gilt aber auch allen Helfern des Heimatbundes der Grafschaft Schaumburg, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Und natürlich dem Künstler selbst: „Es ist uns eine große Ehre, dass wir sie zur Eröffnung begrüßen dürfen.“ Öffnungszeiten:

 Die Ausstellung „Horst Haitzinger. Politische Karikaturen“ ist noch bis zum 10. Februar in der Eulenburg zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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