Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur lokal Im Spannungsfeld
Nachrichten Kultur Kultur lokal Im Spannungsfeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:45 29.03.2015
Jens Gundlach referiert beim Stolperstein-Projekt Rehburg-Loccum. Quelle: ade
Anzeige
Bad Rehburg

Im Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) gehört Gundlach zu denjenigen, die am Reformationsjubiläum 2017 mitarbeiten. Gefeiert werden soll dann der 500. Jahrestag des Thesenanschlags in Wittenberg, mit dem die Reformation eingeleitet wurde. Dass Martin Luther in diesem Zusammenhang große Aufmerksamkeit gewidmet wird, versteht sich von selbst. Anerkennung für viele seiner Leistungen wird ihm gezollt. Manches, das er hinterlassen hat, steht allerdings auch in der Kritik. Einer dieser Punkte sind seine Äußerungen zu Juden und Judentum.

 Gundlach widmet sich diesem Thema und schreibt dazu: „Martin Luthers religiös motivierter Antijudaismus und Antisemitismus waren keine ,Ausrutscher‘ des Reformators in seiner letzten Lebensphase, sondern markanter Bestandteil seiner Theologie und seiner Kirchenpolitik.“ Weil die Juden sich mehrheitlich weigerten, zum Christentum überzutreten, habe er sie mit übelster Hetze und Verleumdung überzogen. „Die Obrigkeiten seiner Zeit drängte er, ihre Synagogen, religiösen Schriften und Häuser zu verbrennen, sie zu enteignen, sie der Zwangsarbeit zu unterwerfen und sie letztlich aus Deutschland und Europa zu vertreiben“, so Gundlach weiter.

 Die Bevölkerung habe Luther aufgefordert, Juden anzugreifen und zu ächten. „Deren systematische Vernichtung lehnte er ab. Einen „Holocaust“ wollte Luther nicht, aber die Nazis beriefen sich bei ihrer Judenverfolgung auf Luther.“

 Gundlach arbeitete nach dem Studium der Theologie als Journalist für die „Welt“ und die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. Er war Mitglied des Konvents der Evangelischen Akademie Loccum und ist Begründer des Pilgerweges Loccum-Volkenroda. Im Jahr 2009 promovierte er. Seine Doktorarbeit trägt den Titel „Heinz Brunotte – 1896 bis 1984. Anpassung des Evangeliums an die NS-Diktatur“. ade

Anzeige