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Kabarettistische Videobotschaft an al-Qaida

Lauenau / Auftritt Kabarettistische Videobotschaft an al-Qaida

Der Kabarettist Thomas Freitag hat am Donnerstagabend bewiesen, dass er kein Angsthase ist. Mit einer satirischen Videobotschaft richtete er sich an radikale Islamisten. „Die Angst der Hasen“ ist sein Soloprogramm betitelt. Rund 200 Gäste genossen im „Sägewerk“ Lauenau den bissigen, kurzweiligen Kabarettabend. Eingeladen hatte die „Lauenauer Runde“. 

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Thomas Freitag brilliert im Lauenauer „Sägewerk“.

Quelle: Hanke

Lauenau (han).  Johann Sebastian Bachs „Brandenburgische Konzerte“ ertönten zu Beginn, im Hintergrund prangte eine großformatige Reproduktion von Caspar David Friedrichs Gemälde »Frau in der Morgensonne«. „Liebe Islamisten, ich will Euch mit einer Videobotschaft antworten“, sprach Freitag in eine Videokamera, „darum bin ich in das Zentrum der abendländischen Kultur gefahren: Lauenau.“

 Im Bemühen um Völkerverständigung erinnerte Freitag an die Brückenbauer zwischen den Kulturen, wie zum Beispiel Goethe mit seinem „West-östlichen Divan“ und Eva Herman, die versucht habe, das Frauenbild des Islam in Deutschland populär zu machen. Hochkultur gegen „Terror“, lautete sein Rezept. „Liebe Islamisten, wenn Ihr unsere Kultur so schlecht findet, dann bombt nicht rum sondern setzt etwas dagegen.“

 Doch der populäre Komödiant beschäftigte sich nicht nur mit al-Qaida und Co., sondern feuerte jede Menge Breitseiten gegen deutsche Verhältnisse. Topmanager bekamen ebenso ihr Fett weg wie Politiker. Freitag wetterte gegen Gesundheitsreformen, Lobbyisten, Regulierungswahn, Mülltrennung und vieles mehr. Unter anderem beklagte er den Neo-Konservativismus. „Wir werden immer spießiger. Die Bestsellerlisten sind voll mit Büchern über Familie und Religion.“

 Nicht alle Texte waren neu, machten aber dennoch Spaß. Freitag tauchte ein in die Seele des deutschen Rentners, bereinigte Schillers „Glocke“ von allen Lehnwörtern und ließ den deutschen Bundestag eine amtliche Version vom „Rotkäppchen“-Märchen verabschieden. Es hagelte Spitzen gegen Handynutzer, den BND, gegen die Kirchen, die Servicewüste und Phrasen dreschende Volksvertreter.

 Leben wir in der von Leibniz beschworenen besten aller Welten? Freitag hegte Skepsis. In einer hochkomischen Traumsequenz begegnete er dem Papst, der ihm rät, den Zweifel zu predigen. Zweifel, Widerspruch und Unglaube seien die Voraussetzung für Fortschritt und Demokratie, erklärte Freitag in Anlehnung an Voltaires Novelle „Candide oder der Optimismus“. Mit tosendem Applaus dankte das Publikum für den amüsanten Abend.

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