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Kurzweilig und aufschlussreich

Busch-Geburtshaus Kurzweilig und aufschlussreich

Zwei bedeutenden Protagonistinnen des deutschen Chansons hat die Sängerin Anna Haentjens gehuldigt. „Wie einst Lili Marleen“ lautete der Titel des Konzertabends, der das Leben und Wirken von Marlene Dietrich und Lale Andersen beleuchtete.

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Anna Haentjens und Sven Selle begeistern im Wilhelm-Busch-Geburtshaus.

Quelle: Hanke

Begleitet wurde Haentjens vom Pianisten Sven Selle. Eingeladen ins Wilhelm-Busch-Geburtshaus Wiedensahl hatte das Frauenbüro des Landkreises Schaumburg.

In einer kurzweiligen Montage aus Text und Musik rekapitulierte Haentjens die wechselvollen Biographien der beiden Künstlerinnen. Früh habe die Offizierstochter Dietrich gelernt, was Disziplin und Selbstbeherrschung seien. „Meine ganze Erziehung zielte darauf ab, Gefühle zu verbergen“, zitierte Haentjens den Weltstar.

Nach einer Handverletzung gab die zielstrebige Dietrich ihren Traum von einer Karriere als Sologeigerin auf, um sich stattdessen dem Gesang und der Schauspielerei zu widmen, zunächst jedoch mit bescheidenem Erfolg. Die von Max Reinhardt gegründete Schauspielschule habe ihr das „Fehlen jeglichen Talents“ attestiert.

Haentjens ließ die wichtigsten Stationen im Leben der Berlinerin Revue passieren, berichtete von ihrem Aufstieg zum Weltstar, der Emigrationen nach Amerika, ihrem Engagement gegen Nazideutschland und der zwanzig Jahre währenden Karriere als Chansonsängerin in Las Vegas. Zitate von Zeitgenossen ergänzten das Bild von der emanzipierten, eigenwilligen Künstlerin mit der außergewöhnlichen Ausstrahlung.

Auch die Musik kam nicht zu kurz. Begleitet von Selles vorzüglichem Piano gab Haentjens das Lied „Lieber Leierkastenmann“ zum Besten. Der ausgesprochen witzige Text, vorgetragen in urigem Berliner Dialekt, verfehlte seine Wirkung nicht. Schwärmerisch und ausdrucksstark hauchte die Sängerin „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.“ Feurig und temperamentvoll hingegen erklang der Filmsong „Ich bin die fesche Lola“, aus Dietrichs Welterfolg „Der blaue Engel“.

Von intensiven Spannungsbögen und feinsten dynamischen Nuancen geprägt war das Friedrich Hollaender-Stück „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, mucksmäuschenstill lauschte das Publikum der intensiven Darbietung. Furios und rasant ertönte „The Boys in the Backroom“, mühelos meisterte Selle den äußerst anspruchsvollen Klavierpart. Mit lautstarkem Applaus dankte das ausschließlich weibliche Publikum für den unterhaltsamen, aufschlussreichen Konzertabend.

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