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06:17 29.04.2012
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Bückeburg (dis). Seit dem Tod des Vaters versauern die Töchter in der Provinz. Etwas Abwechslung (Hoffnung, Liebesglück und-leid) kommt mit den Offizieren ins Haus, doch als diese gehen, bleibt die Tristesse. Nach drei Stunden stehen die drei Schwestern wieder am Bühnenrand – gealtert, enttäuscht, desillusioniert.

1901 wurde Tschechows Drama „Die drei Schwestern" in Moskau uraufgeführt, in der Regie des legendären Stanislawski. 1984 versuchte Peter Stein, das Moskauer Künstlertheater noch zu übertreffen. Bei den Nordharzern gab es keinen weltberühmten Inszenator (Marc Pommerening) und auch keine vom Autor vorgesehenen Birken, dafür ein motiviertes Team.

Das Stück handelt von der Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben. Die Zeiten drängen nicht gerade nach Veränderung, und auch die Protagonisten reden nur vom Ausbrechen – Ansätze dazu machen sie keine. Zumeist wurden alle Rollen treffend umgesetzt. Mitunter aber stellte sich ein bisschen Langeweile ein, doch auch Dramatik, als im Ort ein Feuer ausbricht, angedeutet durch einen rot ausgeleuchteten Hintergrund.

Benedikt Florian Schörnig mimte den lebensuntüchtigen Bruder, auf den die Schwestern all ihre Hoffnung projizieren. Der erweist sich allerdings als schüchterner, unambitionierter Trottel, welcher der egoistischen Provinzschönheit Natalja (gelungene Studie von Claudia Lietz) verfällt und unter ihren Pantoffeln nicht mehr hervorkommt.

Einprägsame Bilder glückten nicht immer, doch es gab sie durchaus; etwa wenn die heimlichen Paare traumverloren durch den Salon wandelten. Auch schafften es Andreas Petri (Werschinin), der temperamentvollen Markus Manig (Nikolai Lwowitsch Tusenbach) sowie die Kollegen Jörg Vogel und Arnold Hofheinz bei kleineren Aufgaben den Textanspruch einzulösen. Um auf die drei Schwestern zu kommen: Da war Olga, die Älteste, überforderte. Illi Oehlmann zeichnete diese frustrierte Lehrerin, die am Ende doch eine Lebenskraft ohne Illusion entwickelt, glaubhaft. Susanne Rösch gab Mascha, die Mittlere. Sie hasste falsche Harmonie und verlieh ihrem Part gewisse Nervosität sowie Direktheit. Julia Siebenschuhs Irina konnte genauso hysterisch wie temperamentvoll sein. An Schlussapplaus mangelte es nicht, denn hier wurden Komödie,Tragödie und Farce offeriert – alle drei Lesarten stecken in dem Werk.

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