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Kultur lokal Mühevolle, kriminalistische Spurensuche
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20:30 28.01.2011
Renate van Kampen liest in der „Alten Polizei“ eine Kurzgeschichte von Thekla Skorra. Quelle: han

Stadthagen (han). Der Zufall habe sie zur 1866 geborenen Thekla Skorra geführt, berichtete die Historikerin. Van Kampen lebt in Berlin und hat bis vor einigen Jahren am Stadthäger Ratsgymnasium gearbeitet. Im Ruhestand begann die ehemalige Lehrerin, sich mit Literaturrecherchen zu beschäftigen. In einer alten Briefkorrespondenz sei sie auf einen unleserlichen Namen gestoßen, der ihre Neugier geweckt habe.

Die Unbekannte entpuppte sich als die jüdische Schriftstellerin Skorra, die im Alter von knapp 77 Jahren von den Nazis erwischt worden sei. Liegend wurde sie aus einem Pflegeheim abtransportiert und nach Theresienstadt deportiert. Fünf Monate später sei sie dort „verreckt, anders kann man es nicht nennen“, so van Kampen.

Äußerst mühevoll sei ihre zweieinhalb Jahr dauernde Recherche gewesen. Etliche Spuren seien verwischt, zahlreiche Dokumente verschwunden. Detailliert berichtete die Geschichtsforscherin von ihrer schwierigen Suche in Bibliotheken, Archiven, Kirchen und Behörden. Nach dem Krieg sei Skorra in einigen Literaturlexika aufgetaucht, „jedoch hat ein Lexikon falsch vom anderen abgeschrieben.“

Auch einen „Stolperstein“ habe es nicht gegeben, ein Versäumnis, das inzwischen nachgeholt worden ist. Im vergangenen Juli wurde der Gedenkstein vor dem Gemeindehaus der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in den Bordstein eingefügt. Nicht nur positive Reaktionen habe es hierauf gegeben. Auch während ihrer „kriminalistischen Spurensuche“ sei sie gelegentlich auf Missfallen und Widerstände gestoßen. „Größtenteils habe ich jedoch gute Erfahrungen gemacht.“

Eine anerkannte Dichterin sei Skorra zu ihrer Zeit gewesen, darauf deuten die vielen Nachdrucke ihrer Werke in Zeitschriften. Die „leidenschaftliche Jüdin“ habe darunter gelitten, dass die kulturellen Verdienste der Juden für Deutschland nie ausreichend anerkannt worden seien. Van Kampen las diverse Gedichte sowie die Kurzgeschichte „Kommerzienrat Arnold“, die anschaulich die Heimatlosigkeit, Vertreibung und Diskriminierung einer jüdischen Familie beschreibt.