Diesmal ging es aufs Wasser, genauer gesagt die Themse entlang. Ute Mai befasste sich nämlich in ihrer Lesung aus Klapka Jeromes 1889 entstandenem Buch „Drei in einem Boot“ mit einer ebenso abenteuerlichen wie bildhaften Bootsfahrt dreier gestandener Herren. Udo Schatz, Akkordeon und Saxophon, Peter Burrack, Bass, und Dirk Flieger, Percussion, lieferten dazu den mal sanften, mal ganz schön turbulenten Wellenschlag.
Die Mannen setzten ihre Schwerpunkte nicht auf mild-melancholische Leichtigkeit, sondern eher auf die farbige Erdigkeit bekannter Melodien. Jedenfalls ließen sich die Zuhörer von den prima aufgelegten Instrumentalisten gern zu einer gekonnt inszenierten Klangreise entführen, die sich vom Treidellied, dem Schlager „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen” über bunte Potpourri-Hits bis zum vom Wolga- in den Themseschlepper umfunktionierten Oldtimer spannte.
Mit Emotion und dem nötigen Schalk trug Mai zwischen den eingeflochtenen Melodienbögen im Wechselspiel den variantenreichen Kapiteln der meist augenzwinkernden Textvorlagen des zu seiner Zeit erfolgreichen Journalisten und Ich-Erzählers Klapka Jerome Rechnung.
Was die Ruderer Harris, Jerome, George und Hund zwei Wochen auf der Themse erlebten, war fürs Publikum gut nachvollziehbar. Die lustig-listigen Darbietungen sorgten für ein bisschen Schadenfreude. Auf der Reiseroute gab es außer Städten, Landschaften und drolligen Episoden über Freud und Leid des Treidelns beziehungsweise Segelns viel bildhaft Ausgemaltes zu entdecken. Überraschungswert besaßen dabei die immer wieder in die Jetzt-Geschichten eingeflochtenen Seemanns-Episoden von anno dazumal, über die sich das Gespann ausführlich unterhielt.
Die verzwickte Labyrint-Situation, das pfeilschnelle Vorbeifliegen an Eisbergen, die haarklein notierte Sache mit dem Fotografen und der Nase sind nur drei Beispiele dafür. Trotz weit überschrittener Zeit wären die Bückeburger und Zugereisten dem Applaus nach gern noch geblieben, aber mit der flotten Zugabe von „Down by the riverside“ war endgültig Schluss. Dietlind Beinßen
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