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Stadthagen / Kabarett

Publikum unter Pointen-Feuer


Ob Eurokrise, FDP oder Guttenberg – etliche Aufreger des vergangenen Jahres sind zur Genüge durchgekaut worden, sodass man sie in den Nachrichten schon fast nicht mehr hören kann. Mathias Tretter ist es dennoch gelungen, diese Themen noch einmal amüsant und informativ aufzubereiten. Mit seinem satirischen Jahresrückblick begeisterte der Würzburger Kabarettist sein Publikum in der ausverkauften „Alten Polizei“ in Stadthagen.
 

Mathias Tretter begibt sich in Merkel-Pose.  © han

Stadthagen (han). Ein langweiliges Jahr sei 2011 gewesen. Schuld sei das Eurorettungspaket, das Tag für Tag die Schlagzeilen beherrscht habe. Lediglich der vorerst gescheiterte Karl-Theodor zu Guttenberg habe mit seiner Buchveröffentlichung für ein wenig Abwechslung gesorgt. Genüsslich machte sich der preisgekrönte Satiriker über den Afghanistan-Besuch des adligen Ehepaars her. „Die Guttenbergs sind nicht fotogeil. Die Fernsehbilder sind ihnen genauso wichtig.“

Viel Häme gab es für die FDP. Die Diplomatie sei ein heikles, hochsensibles Terrain, quasi die Gefäßchirurgie der internationalen Beziehungen. „Und in diese Atmosphäre platzen die Deutschen mit einem Mikrofon und einem Furzkissen, nämlich mit Niebel und Westerwelle.“

Die Herren Rösler, Lindner und Bahr veranlassten den Germanisten zu folgender Frage: „Was macht eine geschiedene protestantische Kanzlerin in einem Vieraugengespräch mit dem Papst? Vielleicht hat sie sich nur Tipps geholt, wie man mit kleinen Jungs umgeht.“

Tretter ließ die Luft aus überbewerteten Nachrichtenereignissen. Warum solle man um Steve Jobs trauern? „Der kommt in drei Tagen wieder, rollt den Grabstein zur Seite und präsentiert eine Resurrection-App.“ Typisch deutsch sei die Affäre um Christian Wulff, schließlich gehe es nur um ein Einfamilienhaus. Die Würde des Amtes sei bereits mit Wulffs Ernennung zum Präsidenten beerdigt worden.

Blitzschnell und mit scharfer Zunge feuerte Tretter seine Pointen ab. Erhellendes wechselte sich ab mit Kalauern und Albernheiten, wie zum Beispiel seinem Vorschlag, Gifte, Hormone und Antibiotika in Fleischwaren einzulagern. Verantwortungsvolle Verbraucher machen sich selbst zum menschlichen Endlager, die Kunden von Biobauern hingegen seien „asoziale Nachhaltigkeitsfaschisten“.

Auch das Ausland bekam sein Fett weg. Irland? „Die Harz-Vierler von Europa.“ Sarkozy? „Der Präsident gewordene Schwanzvergleich.“ Al-Qaida? „Ein Franchise-Unternehmen wie McDonald’s. Jede Filiale richtet eigenverantwortlich Schaden an.“

Mit einer furiosen Merkel-Parodie als Zugabe bedankte sich Tretter für den begeisterten Applaus.

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