Eine Frohnatur scheint Kling nicht zu sein. Eines seiner früheren Programme heißt „Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“. Seine Lieder tragen Titel wie „Nichts funktioniert, alles ist kaputt“ und „Flugzeug, Flugzeug (Angst & Schrecken)“. „Optimismus ist ein Mangel an Information“ lautet ein bekanntes Zitat des Dramatikers Heiner Müller. Kling hat dieser Spruch so gut gefallen, dass er ihm einen eigenen Song gewidmet hat. Damit nicht genug. Der Liedermacher textet auch Grabsteininschriften, zum Beispiel für Benjamin Blümchen: „Der Problemelefant war nicht systemrelevant.“
Selten war Miesmacherei so amüsant wie bei Kling. Aus Lebensverneinung und Untergangsstimmung schöpfte der Kabarettist Pointen, die beängstigend gut und hoffnungslos lustig sind. Klings genuschelte Gemeinheiten richteten sich gegen so ziemlich alles und jeden. Gelegentlich griff der Liedermacher zu seiner weißen E-Gitarre, um mit gespielter Lustlosigkeit und vorgetäuschtem Dilettantismus „mittelgute, dafür aber sehr kurze Lieder“ vorzutragen.
Zwischendurch las Kling aus seinem Buch „Die Känguru Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers“ vor. Die Kurzgeschichten erzählten von der Freundschaft des Autors zu einem kommunistischen Känguru. Das Beuteltier ist ein wahres Ekelpaket, es schnorrt, lügt, schmarotzt und misshandelt Schoßhunde. Während einer Monopoly-Partie nimmt das Känguru Korrekturen am Kapitalismus vor. Die Bank wird überfallen, Gefängnisse sind überflüssig und der Wohnraum ist ab sofort kostenlos, denn Mieter dürfen sich fortan als Hausbesetzer verstehen. „Wir würfeln nur noch, und wer über Los kommt, kriegt 4000 Mark.“ lautet das Fazit.
Kritik an seinem Weltentwurf weist das australische Tier weit von sich: „Es braucht nicht mich, damit das Weltwirtschaftssystem zusammenbricht.“ Ein weiterer Hieb gegen den Kapitalismus gelang Kling mit einem Song über die Geschäftspraktiken von Hedgefonds. „Ich habe meine Freundin gefeuert, ich habe neu kalkuliert“, sang der Humorist. „Ich habe sie an einen anderen verscheuert, jetzt miete ich sie zurück.“ Doch da die „hohen Wartungskosten“ die Rendite drücken, entschließt er sich dazu, die Freundin zu übernehmen und zu zerschlagen. So viel zum Thema „Cross-Border-Leasing“. Das Publikum dankte mit kräftigem Applaus für den schwarzhumorigen Kabarettabend. Carsten Hanke
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