Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Temporeiches Typenkabarett

Kultur / Kinsehers One-Woman-Show Temporeiches Typenkabarett

Eine furiose One-Woman-Show hat Luise Kinseher am Sonntag abgeliefert.  Das „Hotel Freiheit“, so der Titel ihres Programms, beherbergte jede Menge kurioser Gäste, allesamt dargestellt von der Münchner Kabarettistin. Das Publikum in Stadthagens „Alte Polizei“ erlebte einen kurzweiligen Kabarettabend. 

Voriger Artikel
Musiker gehen ihren eigenen Weg
Nächster Artikel
Sommer-Festival mit acht Konzerten

Landkreis (han). Dem staatlichen Gipfelhotel „Freiheit“ droht die feindliche Übernahme – entweder durch Terroristen oder reiche Russen. Stromausfälle und eine steckengebliebene Gondel deuten auf Saboteure hin. Sogar die „Sprungschanze für Lebensmüde“ ist angesägt worden, ein Affront für alle Suizidenten, schließlich wird auf diese Weise der Freitod durch Mord vereitelt. 

Doch was tut man nicht alles, um seine Freiheit zu verteidigen. Helga Frese beispielsweise hat eine Selbstschussanlage installiert und ihrem betagten Gatten zu einem harten Lauftraining verdonnert. „Freiheit ist für mich, wenn Heinz weg ist“, konstatiert die rüstige Rentnerin. Eine Doppelgrab kommt jedoch auf keinen Fall in Frage. „Das Gerippe hatte ich 50 Jahre lang im Bett. Das ist genug!“ 

Auf der Suche nach Terroristen schnappte sich Kinseher eine Videokamera, streifte durch die Publikumsreihen und inspizierte Handtaschen. Terrorrüstzeug fand sie zwar nicht, dafür aber Rauchwerk. „Weiß Ihre Kasse, dass Sie rauchen? Ab morgen weiß sie es!“

Die Satirikerin näherte sich auf unterschiedlichen Wegen dem Thema Freiheit. Staatliche Überwachung, Terrorhysterie,  reglementierende Krankenkassen („Radler gilt als Einstiegsdroge“) oder das lästige Streben nach Individualismus – Kinseher ließ nichts aus. Giftig und tiefschwarz kam ihr Humor daher. „Es ist wichtig, dass es einem gut geht. Gerade in schlechten Zeiten, wenn es anderen schlecht geht.“ 

Publikumsbeschimpfungen kommen im Kabarett bekanntlich immer gut an. Auch Kinseher ließ nichts anbrennen, stichelte gegen ihre Gäste und gegen die Kreisstadt. „Ist von der Unterschicht jemand da?“, fragte sie, während sie aus einer Fernsehzeitschrift vorlas, um den Zuschauern klarzumachen, welch gute TV-Sendungen sie momentan gerade verpassen. 

Blitzschnell wechselte sie die Rollen, zum Schluss hatte die neureiche Russin Olga das Wort. „Die Deutschen würden gerne mal die Sau rauslassen, aber sie tun es nicht, weil es keine Regeln dafür gibt.“ Sind wir also feige? Fehlt uns der Mut zur Freiheit? Haben die Russen völlig zu Recht das Hotel übernommen? 

Mit lautstarkem Applaus dankte das Publikum für das temporeiche Typenkabarett.  

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben