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Trotz ihrer Jugend mutige Meister ihres Fachs

Bückeburg / Konzert Trotz ihrer Jugend mutige Meister ihres Fachs

Ein Konzert auf allerhöchstem Niveau hat am Sonntag im Bückeburger Staatsarchiv stattgefunden. Das vom Kulturverein eingeladene „Catasia Streichquartett“ brillierte mit einem spannenden Programm, profundem technischen Können und einem besonderen Bewusstsein für musikalische Prozesse.

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Das „Catasia Streichquartett“ bei seinem Konzert im Bückeburger Staatsarchiv.

Quelle: mig

Bückeburg (mig). Die Freude darüber, „dass wir nach längerer Zeit wieder ein Streichquartett hier haben“ war Ute Mai schon bei der Begrüßung anzumerken. „Draußen wird der Weihnachtszauber aufgebaut, und auch bei uns wird es wieder ganz zauberisch werden“, versprach sie den Zuhörern. Und gab dann, angelehnt an das griechische „Katharsis“, ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Publikum „von dieser Musik berührt wird.“

 Ein Wunsch, der gleich beim ersten Werk, dem „Streichquartett C-Dur KV 465“ von Wolfgang Amadeus Mozart, in Erfüllung ging. Die Musiker glänzten mit viel Emphase und einem großen Bewusstsein für die zugrunde liegenden musikalischen Prozesse. Beim sogenannten „Dissonanzen-Quartett“ – seinen Namen erhielt das Stück wegen der für die damalige Zeit ungewohnten Chromatik – gefiel die bis in die Nuancen feine Ausgestaltung und ein profundes technisches Verständnis. Trotz ihrer Jugend erwiesen sich die in unterschiedlichen Orchestern spielenden Musiker als Meister ihres Fachs.

 Nach dem Dissonanzen-Quartett brachten die Musiker Anton Weberns „Langsamer Satz“ zu Gehör. Das Stück für Streichquartett entstand 1905 noch in der Tradition der Spätromantik. Später wandte sich Webern dem musikalischen Expressionismus zu, der ihn zur Atonalität und zur 12-Tonmusik führte. Diese besondere klangliche Dynamik arbeiteten die Musiker kongenial heraus: von der sprechenden Pause bis hin zu einem zerbrechlichen Pianissimo der Violinen. Ein großes Lob gebührt den Vieren auch für ihre mutige Zusammenstellung des Konzertprogramms. Weberns „Langsamer Satz“ war wirklich ein Erlebnis.

 Den Abschluss machte an diesem Abend das Streichquartett Nr. 2 A-Moll op. 13 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der das Werk an den späten Arbeiten Ludwig van Beethovens anlehnte. Als besonders schwierig erweisen sich die Umkehrungen und Engführungen von Fugenthemen, die immer wieder Bezug aufeinander nehmen. Nicht nur hier bewies das virtuose Streichquartett einen ausgeprägten Klangsinn, hohe Spielkultur und ein besonderes Bewusstsein für musikalische Prozesse – ein Konzert auf allerhöchstem Niveau.

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