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15:06 01.02.2010
Schräge Alltagsgeschichten aus Irland und Großbritannien trägt „taz“-Korrespondent Ralf Sotscheck in der „Alten Polizei“ vor. to

Der Mann ist vorbildlich integriert. Sagt er „wir“, meint er die Iren und sich. Ganz selbstverständlich. Darüber hinaus ist er jederzeit bereit, jedweden Zeitgenossen britischer Herkunft wegen des grandiosen Scheiterns des Osteraufstandes von 1916 zu beschimpfen (dessen Kopf, der Poet Pádraig Mac Piarais, angeblich vor seiner Hinrichtung erwähnt hat, dass die Erschießungen zumindest den Vorteil hätten, Irland von einigen schlechten Dichtern zu befreien), wegen der britischen Schießübung im Dubliner Croke-Park-Stadion 1920 und wegen des Verlaufes der Unabhängigkeitsverhandlungen, die damals mehr oder minder in die Hose gegangen sind. Letztlich vor allem in die der IRA-Ikone Michael Collins. Das alles ist Ralf Sotscheck zu tun bereit, mit Hingabe und Geduld, viel Leidenschaft. Und immer mit einem brauchbaren Maß an Distanz.

Briten für verschroben, wahlweise durchgeknallt zu halten, gelegentlich in die Rubrik Ganoven einzustufen und deren politische Klasse großzügig und -räumig zu verachten, ist nicht gleichbedeutend mit Mangel an kritischer Distanz. Dieselben Attribute tauchen auch in Charakterisierungen seiner irischen Mitbürger auf. Zu Recht, wie man feststellen muss. Entweder nach eigenen Reisen in dieses Land, das sich in vielen Lebensbereichen von einer sympathischen Bananenrepublik nur in der Jahresdurchschnittstemperatur zu unterscheiden scheint, oder nach Genuss eines Sotscheck-Vortrages.

Derlei Veranstaltungen haben sehr eigenen Reiz. In der Abteilung „Amtssprache Deutsch“ schimmert gelegentlich ein feiner Akzent durch („nen janz kleener Hertha-Frosch jewesen“), der der Berliner Herkunft geschuldet ist, sein Englisch weist Belfast-Akzent auf, was man hören oder sich vorher erzählen lassen kann, um anschließend wie im vorliegenden Fall scheinbare Kenntnisse zu erwähnen und „auf dicke Hose zu machen“.

„Heute Abend können Sie nichts von mir lernen“, stellte der „taz“-Korrespondent gleich eingangs klar, und im sehr engen Sinne mag das stimmen. Es war schließlich eine Lesung und kein VHS-Kursus. Und doch gab’s auch für Irland-Fremde Erkenntnisse, die sich weniger in Fakten als in Schlaglichtern und darauf fu-ßenden Einschätzungen äußerten. Alltägliches stand auf dem Programm, scheinbar Absurdes und Absonderliches, und das alles gab den Blick auf einen groben Grundriss eigenwilliger Nationalidentitäten frei – sofern solche überhaupt feststellbar sind. Mancher Bürger von Galway ist ganz sicher zu bezeugen bereit, dass Dublin unbedingt noch zu West-Britannien gehört. Einschätzungen in umgekehrter Richtung sind nicht unbedingt zitierfähig.

Gut 60 Zuhörer waren in die „Alte Polizei“ gekommen, und alle sind bestens unterhalten nach Hause gegangen. Sotscheck hätte noch lange vortragen können. Das beste, was einer Lesung nachgesagt werden kann.

Christoph Oppermann

Mehr über den Autor und Journalisten unter www.sotscheck.net

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