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Kultur lokal „War Seume neidisch?“
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18:49 07.03.2011
Der Autor und Verleger Robert Eberhardt beleuchtet die bewegte Freundschaft von Johann Gottfried Seume und Karl von Münchhausen. Quelle: han

Stadthagen (han). Als „eigenwilligen Autor“ und „Mensch mit hohen Ansprüchen und festen Standpunkten“ charakterisierte Eberhardt den Dichter Johann Gottfried Seume. Als „guten Autor zweiten Ranges“ bezeichnete ihn Arno Schmidt. Goethe habe Seumes „überschaubares“ Werk hingegen wenig geschätzt und als zu düster empfunden.

Lebendig schilderte Eberhardt das bewegte Leben des Dichters. Wegen einer religiösen Krise und seinem frühen Erkennen gesellschaftlicher Heuchelei habe der junge Seume sein Theologiestudium abgebrochen. Auf einer ungewissen Reise nach Frankreich sei er in einem Gasthaus für den hessischen Militärdienst angeworben worden. Kämpfen sollte er im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der jedoch bereits entschieden war, als Seume an der Küste Neuschottlands ankam.

Hier traf er auf Karl von Münchhausen, der sich für Seumes Verse interessierte und den rangniedrigeren Soldaten zum Dichten aufforderte.

Vielseitig künstlerisch begabt sei der Verwandte des Lügenbarons gewesen. Münchhausen habe stets nach seinen eigenen Regeln gelebt und mit Bürgerlichen Freundschaft geschlossen. Entgegen den Standesgepflogenheiten heiratete der Adlige sogar eine Frau aus dem Bürgertum.

Anschaulich beschrieb Eberhardt die wechselvolle Freundschaft, in der viele Jahre lang Funkstille herrschte. Finanziert und initiiert von von Münchhausen entstand der gemeinsame Gedichtband „Rückerinnerungen“. Nur ein einziges Mal, im Jahr 1802, trafen sich die beiden Dichterkollegen wieder. Eberhardt schilderte die bedrückte Atmosphäre des Wiedersehens und versuchte, Erklärungen für das eigenartige Verhalten Seumes zu finden. Ein treuer, unproblematischer Freund sei Münchhausen gewesen, Seume hingegen bezeichnete Eberhardt als einen „vom Schicksal getriebenen Einzelgänger“, der immer wieder Missmut in die Freundschaft gebracht habe. „Verstand Münchhausen die Tiefe von Seumes Persönlichkeit nicht?“, fragte der 1987 geborene Verleger. Möglicherweise seien die psychologischen Gründe viel einfacher. „Empfand Seume vielleicht einen gewissen Neid auf das reiche Leben Münchhausens?“