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"Wer einsam ist, der hat es gut!"

Bad Rehburg/ Wilhelm Busch Schauspiel "Wer einsam ist, der hat es gut!"

Ein Eigenbrötler, der stolz auf sein Junggesellendasein und darauf ist, dass er in seinem Heim rauchen und saufen kann, wie es ihm gefällt, ohne sich jemals von jemandem dreinreden lassen zu müssen - das ist der Wilhelm Busch, den Markus Veith in der ‚Romantik Bad Rehburg‘ dargestellt hat. Der unterhaltsame Schauspielabend hat wohl manchem eine neue Sichtweise auf Wilhelm Busch eröffnet.

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„Ha!“ - Inspiriert hechtet Markus Veith als Wilhelm Busch ans Schreibpult.

Quelle: ade

Bad Rehburg (ade). Von einem seiner ausgedehnten Spaziergänge durch Wiedensahls Felder kommt der Meister zurück, gähnt, seufzt, schnieft und kratzt sich wohlig. Rechts das Schreibpult, links die Staffelei, die Pfeife im Mund - das einzige Ungemach ist der leere Krug. Ungefähr so beginnt die Vorstellung, mit der der Schauspieler Markus Veith für 90 Minuten in die Rolle Buschs schlüpft. Dem Menschen Busch wollte er auf die Schliche kommen und schrieb dafür sein Stück ‚Ein jeder Narr tut was er will‘. Den genialen Kauz spielt Veith überzeugend, haucht ihm eine knurrende Seele ein, zeigt seine bekannteste Seite - den scharfzüngigen Humor - sein aufbrausendes Wesen, seine Arroganz, zeigt aber auch die Tücken dieses Lebenswandels.

In die 90 gereimten Minuten aus seiner Feder hat Veith natürlich auch den ‚echten ‚ Busch eingebettet, denn was wäre ein Abend über Busch ohne einige der Verse, die ein jeder kennt? Jenseits von ‚Max und Moritz‘ und der ‚Frommen Helene‘ hat Veith sich dabei aber auf die Passionen Buschs verlegt: der verhinderte Dichter ‚Balduin Bählamm‘ werde wohl ähnlich wie der ‚Maler Klecksel‘ einige Seiten Buschs widerspiegeln, meinte Veith und baute beide Texte in sein furioses Schauspiel ein.

Wer den Dichter Bählamm in Buschs Werk bisher leicht stiefmütterlich zugunsten anderer Geschichten behandelt hat, der wird nach dem Genuss von Veiths Schauspiel diesen Zeilen künftig vermutlich mehr Aufmerksamkeit widmen. Brillant hat er die Erlebnisse des braven Schreibtischtäters umgesetzt, der sich zu Höherem berufen fühlt, der darum ringt, von der Muse geküsst zu werden und der immer just in dem Moment, in dem die Zeilen aufs Papier fließen wollen, von seiner Umwelt im Schaffen gestört wird. Und so wie Veith mit Bravour den verzagten Bählmann spielte, so schaffte er auch mühelos den Wechsel zum brummelnden Busch. Dessen Lebensresümee legt Veith indes in einen einzigen Satz. Donnernd beginnt er diesen Satz, um verzagt und leise zu enden: „Wer einsam ist, der… der hat es gut.“

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